Laufen.NRW (Köln)
Das überregionale Online-Magazin im Rheinland
Über 6.500 Beiträge zu allen Themen rund um den Laufsport

DRUCK-VERSION 20.12.2008

 

 
 

Mister "Programm ist Programm" geht in Ruhestand
 
Laufen-in-Koeln >> Rund um's Laufen >> Leute wie Du und ich >> Artikel

08.12.2014 

 

 

Karl-Heinz Düe

 

Kurz vor Ablauf des Jahres 2014 endet für TSV-Trainer Karl-Heinz (Kalle) Düe eine Ära: Am 05. Dezember wurde der 65-Jährige hauptamtliche Trainer in feierlicher Stimmung von der Leichtathletikabteilung gebührend in seinen mehr als verdienten Ruhestand verabschiedet. Somit verlässt er die große Leichtathletikbühne - vorerst …
 
… denn mit Beginn der Hallensaison im Januar 2015 ist auch Karl-Heinz Düe wieder mit von der Partie. Denn so ganz ohne "seinen" Sport kann er nicht. Zwar hat sich seine Trainingsgruppe deutlich verkleinert, aber vier Athleten wird der gebürtige Niedersachse weiterhin betreuen und mit Sicherheit für große Resultate sorgen. Siebenkämpferin Jennifer Oeser sowie die gehandicapten Sprinter Heinrich Popow, David Behre und Felix Streng werden auch in Zukunft getreu "Kalles‘" allseits bekannten und gefürchteten Mottos "Programm ist Programm" täglich an ihre körperlichen Grenzen geführt.
 
Die Karriere des heute 65-Jährigen begann im Jahr 1972. Als Athlet mit vielseitigem Talent startete Karl-Heinz Düe über 400 Meter, 800 Meter und 1.500 Meter. Der eine oder andere Mehrkampf fand ebenfalls mit dem von Gerd Osenberg trainiertem Sportler statt. Über seine Erfolge als aktiver Leichtathlet spricht Karl Heinz Düe jedoch nicht viel. Deutlich lieber erzählt er von den Leistungen seiner Athleten, die ihm schon die eine oder andere Freudenträne kosteten.
 
1974 begann er dann für zwei Jahre als Übungsleiter beim TSV Bayer 04, bevor ihm eine Stelle als hauptamtlicher Trainer angeboten wurde. Seine ursprünglichen Pläne - zurück in seine Heimat Salzgitter zu ziehen - verwarf er und nahm seine neue Herausforderung am 01. Januar 1977 an. Mehr als glücklich schätzen dürfen sich heute die Athleten, die nach seinem wohl überlegten Entschluss, Leverkusener zu bleiben, über vier Jahrzehnte hinweg unter seinen Händen trainierten und nahezu jeden Morgen von einem gutgelaunt pfeifenden Karl-Heinz Düe begrüßt wurden.
 
Mit unterschiedlichsten Trainingsgruppen sammelte "Kalle" wertvolle Erfahrungen. So trainierte er die aktiven Frauen, die männlichen Mittelstreckler, Mehrkämpferinnen und Werfer. Dank seiner erzielten Erfolge wurde Düe in den 80er Jahren in das Amt des Landestrainers im Siebenkampf und Wurf berufen. Kurze Zeit später betreute er die Zehnkämpfer des Landesverbandes Nordrhein. Dass Karl-Heinz Düe sein TSV-Jugendteam von sieben auf 55 Athleten aufstockte, spiegelt seine Qualität und Beliebtheit als Trainer wieder.
 
Jörg Frischmann öffnete schließlich das sportliche Kapitel im Leben des Karl-Heinz Düe, auf das er noch heute mit viel Stolz zurückblickt. 1992 übernahm Düe das Traineramt der gehandicapten Athleten und erste Erfolge ließen nicht lange auf sich warten! Mit den Bronzemedaillen von Jörg Frischmann im Kugelstoßen und Speerwerfen feierte Düe bei den Paralympischen Spielen von Sydney im Jahr 2000 seine bis dato größten Erfolge. "Besonders stolz bin ich auf die Integration der Behinderten in der Trainingsgruppe der Nichtbehinderten. Trotz einiger Widerstände haben meine Athleten immer - egal, ob gehandicapt oder nicht - gemeinsam trainiert und zusammen große Erfolge gefeiert." Dieses von ihm ins Leben gerufene Konzept fand - laut seinem Schützling Heinrich Popow - in vielen Nationen anklang und wird heute vielfach praktiziert.
 
Das Trainer-Athleten-Gespann Jennifer Oeser und Karl-Heinz Düe feierte zwei knappe Jahrzehnte später Momente, von denen ein Coach wohl nur zu träumen vermag. Bei den Weltmeisterschaften 2009 in Berlin stürzte Oeser beim abschließenden 800-Meter-Lauf und sicherte sich nach einer furiosen Schlussrunde sensationell WM-Silber. "Kalles‘" noch beachtlichen Haarpracht werden diese Augenblicke wohl die eine oder andere graue Strähne mehr beschert haben. Auch ein Jahr später stand Jennifer Oeser auf dem Podest und wurde EM-Dritte. Für seine Erfolge wurde Karl-Heinz Düe im gleichen Jahr mit dem Berni-Becks-Wanderpreis ausgezeichnet. 2011 kehrten Düe und Oeser von den Weltmeisterschaften in Daegu ebenfalls mit der Bronzemedaille im Gepäck zurück.
 
"Konkret kann ich gar nicht sagen, welcher Erfolg für mich der größte war. Jenny hat mir als Trainer viele glückliche Momente geschenkt. Aber auch der Goldlauf bei den Paralympics von Heinrich [Popow] und der Vereinsrekord mit der 4x100-Meter-Staffel 2013 bleiben unvergessen", sagt Karl-Heinz Düe.
 
Doch nicht nur die gemessenen Siege, Rekorde und Medaillen waren für Düe von Bedeutung. Jede individuelle Leistung fand bei ihm größten Respekt und Anerkennung. In den Trainingseinheiten zeichnete er sich dadurch aus, sich jedem Athleten gleichermaßen zu widmen - egal ob auf Kreisklasse, nationalem oder internationalem Niveau. "Eine gute Trainingsgruppe besteht aus vielen Charakteren und unterschiedlichen Leistungsklassen. Jeder kann von jedem profitieren", erklärt er.
 
Ja, die Liste seiner Erfolge ist lang. Doch auch im Hintergrund zeigte sich Karl-Heinz Düe als wahres Multitalent. So engagierte er sich beim traditionellen Bayer Meeting in der Organisation und war sich nie für eine Arbeit zu schade. Weiterhin war er jahrelang bei den Basketballern sowie Volleyballern als Konditionstrainer im Einsatz.
 
Noch bis zu den Olympischen und Paralympischen Spielen 2016 in Rio (Brasilien) möchte der Hundeliebhaber der Leichtathletik treu bleiben und dort am besten gleich mit all seinen vier Athleten teilnehmen.
 
"Nach so vielen Jahren als Trainer kann ich aus vollster Überzeugung sagen, dass ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe und keine Sekunde missen möchte. Trotzdem freue ich mich nun auf etwas mehr Freizeit", erklärt er und erzählt von seinen Urlauben, die stets mit seiner Frau Iris, seinen beiden Hunden Ben und Paul und seinem Wohnmobil unternommen werden und künftig keine Seltenheit mehr sein sollen. "Ich werde nicht mehr jedes Wochenende auf Wettkämpfen sein und auch Trainingslager finden nicht mehr so häufig statt" - im gleichen Atemzug berichtet "Kalle" allerdings von seinem bereits gebuchten Trainingslager auf der Kanareninsel Lanzarote im April 2015.
 
So ganz ohne Sport geht’s für Karl-Heinz Düe halt einfach nicht!





__________________________________
Autor und Copyright: Mareike Peters für Laufen-in-Koeln