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Goldener Oktober-Sonntag für Drachen
 
 
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24.10.2004  

 
 

„Über sieben Brücken musst Du gehen“, heißt eines der zum Kult avancierten Lieder von Deutsch-Rocker Peter Maffay. In Läuferkreisen lässt sich der Song mittlerweile auch singen, allerdings mit leicht modifiziertem Refrain: „Über sieben Berge musst Du laufen“. Wenn Mann und Frau denn beim Drachenlauf durch das Siebengebirge ins Ziel kommen wollen. Der ist zwar noch längst nicht so bekannt wie das Maffay-Lied. Doch nach nur drei Auflagen hat die Veranstaltung bereits jetzt schon Kultstatus. „Was ist schon der Ironman? Wer was auf sich hält, muss Drache werden“, sagte einer Teilnehmer kurz vor dem Start und erntete dafür lebhaften Zuspruch unter den Sportlern.

 

Sie ahnten es alle, die über 502 Aktiven im Starbereich am Sportpark von Thomasberg, dass Großes bevorsteht und sie heute jeder für sich zum Helden werden konnten. Vorausgesetzt, sie erreichten das Ziel, und das war alles andere als einfach. Rund 27 Kilometer ging es durch den Naturpark Siebengebirge, der nur deshalb so heißt, weil von den über 300 Erhebungen eben sieben besonders hervorragen. Diese sieben Berge mussten ebenso überlaufen werden wie auch zahlreiche kleinere Hügel und Steigungen. Ein Lauf mit insgesamt Tausend Metern Höhendifferenz. Übrigens: Eine Brücke gab es auch, die so genannte Seufzerbrücke, und so manch ein Teilnehmer tat auf ihr sicherlich einen schweren Seufzer, obwohl zu diesem Zeitpunkt erst einer von fünf dramatischen Aufstiegen bewältigt war.

 

Schon dieser erste Anstieg kurz nach dem Start hatte es so richtig in sich. Einer von drei Bergen der ersten Kategorie mit bis zu 20 Prozent Steigung, fast drei Kilometer lang hinauf auf den Ölberg, den höchsten Gipfel des Siebengebirges. Der Veranstalter empfiehlt hier bei der Streckenbeschreibung auf seiner Internet-Seite „durch eine kurze Gehpause wertvolle Kräfte zu sparen“. Zwar gibt es noch den Hinweis, dass dies das steilste Stück der gesamten Strecke ist. Doch wer glaubt, dass die restlichen 23 Kilometer nun einfacher werden, unterliegt einer trügerischen Hoffnung.

 

Schon wenige Kilometer später gibt es die nächste Schwierigkeit. Kurz hintereinander folgen zwei lange Steigungen, insgesamt fast fünf Kilometer lang zwischen sechs und 23 Prozent. Im Schlussabschnitt dieser Anstiege,  hinauf zur Löwenburg, läufst es sich dann nur noch auf Zehenspitzen oder gar nicht. Die Naturböden mit den dicken Wurzeln und herausragenden klobigen Steinen kosten zusätzlich Kraft. Ein falscher Tritt würde den freien Fall in den steil abfallenden Hang bedeuten. Kleine  Motivationshilfe: Danach geht es vier Kilometer angenehm bergab durch den dichten Wald des Naturparks ­-  vor Wildschweinen sei an dieser Stelle ausdrücklich gewarnt. Anschließend geht es auf den Drachenfels, der wohl bekannteste Berg des Siebengebirges, wegen der vielen Besucher aus dem Nachbarland auch als meistbestiegener Berg Hollands geadelt. Nur einen kurzen Augenblick haben die Läufer beim Überqueren der Panoramaterrasse Zeit, um den überwältigenden Blick auf das Rheintal, der an diesem goldenen Herbstsonntag mit Temperaturen um die 20 Grad besonders erhebend war, zu erhaschen. Denn unmittelbar danach folgt ein fast zwei Kilometer langer spektakulärer, steiler und darob höchst gefährlicher Lauf talwärts.

 

Kaum am Scheitelpunkt angekommen, geht es schon wieder leicht bergauf – und jetzt erst  kommt es wirklich ganz dick. Du läufst auf eine Wand zu, den Petersberg. Majestätisch und Furcht erregend zugleich erhebt sich der gewaltige Berg. Ein kleiner, schier unmerklicher Pfad bildet den Einstieg zum Aufstieg. Es ist der Bittweg, ein uralter Prozessionsweg mit vielen Kreuzen, so genannten Bittstöcken, der fast drei Kilometer mit bis zu 20 Prozent hinauf führt – und so manch einer wird an einem der zahlreichen Wegekreuze gebetet haben „Lieber Gott, mach´ dem ein Ende“. Die existentielle Frage im Läuferleben – Warum tust du dir das an ? – stellt sich hier mit besonderer Erbarmungslosigkeit.

 

Auf den letzten Kilometern gibt es dann noch einige kleiner Nicklichkeiten. Die Streckenempfehlung des Veranstalters lautet: „Gib nun noch mal Vollgas.“ Nur wie? Der Geist mag ja durchaus noch willig sein, das Fleisch ist aber bei diesem Streckenabschnitt längst schwach, der Zieleinlauf wird sehnlichst herbei gewünscht.

 

Fürwahr, auf der Strecke wird den Teilnehmern nichts geschenkt. Dafür fallen die Gaben nach dem von kleinen und großen Menschen in Drachenkostümen gesäumten Zieleinlauf umso reichlicher aus. Ein Präsent mit Drachenemblem, viele Getränke und Obst, eine reichhaltige Speisenauswahl sowie die Möglichkeit zu Massage durch die Damen und Herren von der Physiotherapie Oberpleis helfen bei der mentalen Verarbeitung des soeben Durchlebten - alles im Startgeld von 15 Euro inbegriffen. „Wir wollen einen Lauf von Läufern für Läufer veranstalten“, sagt Michael Brüggehagen vom TuS Thomasberg-Ittenbach und erinnert an die Idee zum Lauf. Im vereinsinternen Lauftreff Siebengebirge mit seinen rund 200 Teilnehmern wurde seinerzeit das Projekt „Drachenlauf“ entwickelt. Brüggemann wörtlich: „Wichtig ist uns, dass die Veranstaltung überschaubar bleibt und nicht zur Massenabfertigung wird.“  Aufgrund naturschutzrechtlicher Bestimmungen ist die Teilnehmerzahl ohnehin gedeckelt.

 

Quantitativ kann es der Drachenlauf sicher nicht mit Deutschlands führenden Landschaftsläufen, etwa Rennsteig und Hermannslauf, aufnehmen. Qualitativ aber in jedem Fall. Dazu trugen denn auch die Nachwuchsdrachen bei. Die putzig kostümierten Drachenkinder aus dem Kindergarten verteilten bei der Siegerehrung die Sachpreise. Hermann Ulrich von der SSG Königswinter siegte beim dritten Start zum dritten Mal (1:44:31). Rund eine Minute später erreichte Carsten von Kuk vom LT Team der Deutschen Sporthochschule Köln das Ziel. Bei den Frauen siegte Vorjahressiegerin Birgit Lennartz mit der Streckenrekordzeit von exakt zwei Stunden. Eine schöne Geste war der extra schöne Blumenstrauß für die letztplatzierte Teilnehmerin. Es sind diese vielen kleinen und liebevoll durchdachten Details sowohl an der Strecke wie auch im Start-Ziel-Bereich, die diese ebenso professionell wie familiär geprägte Veranstaltung mit ihren über 100 kleinen und großen Helfern zu einer lebendigen sportlichen Visitenkarte für diese Region werden lassen.


 

   

www.drachenlauf.de





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Autor und Copyright: Constantin Graf von Hoensbroech

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