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Detlev Ackermann

 
   
 
 

Das Kölner Sportmuseum
 
 
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21.02.2002  

 
 

Blick zurück auf Momente sportlicher Meilensteine
Im November 1999 eröffnete das Deutsche Sport- und Olympiamuseum in Kölner Rheinauhafen die Türen für Besucher. Der Umbau der denkmalgeschützten Lagerhalle kostete etwa 20 Millionen DM und stellt eine Symbiose aus Altem und Neuem auf ca. 2000 qm Aktions- und Ausstellungsfläche dar. Auf zwei Etagen erwarten den Besucher verschiedene sportartübergreifende Aspekte des nationalen, internationalen und olympischen Sports. Nach einem Rundgang und einer Stärkung in der Cafeteria wird der Besucher die ergreifenden leichtathletischen Momente der Vergangenheit lebhaft vor Augen haben. Running&Walking gibt Ihnen einen Eindruck der ausgestellten Exponate und ihrer vielen, kleinen sowie grossen Geschichten.


Der kleine Italiener
Der Museumsrundgang beginnt in der oberen Etage mit den antiken Wettkämpfen der Griechen. Hier finden sich die Wurzeln des Sports. In der Antike war dabeisein nicht alles, wie viele denken. Den Sieg bei olympischen oder anderen Spielen davonzutragen, war das erklärte Ziel eines jeden Athleten; ein gnadenloser Wettkampf nach dem Motto „Kranz oder Tod“ die Realität. Als friedliches Zeichen herrscht während der Austragungszeit der olympischen Spiele Waffenruhe. Der Weg führt weiter an einer in den Boden eingelassenen Rekonstruktion Olympia, einer riesigen Herakles-Statue und antiken Exponaten.

Kurze Zeit später betritt der Besucher die Tartanbahn, an deren Seite, etwas klein und noch zu schlecht beleuchtet, eine Zeittafel 200 Jahre modernen Sport in Bilder, Video, Ausstellungsstücke - teils als Original, teils als Reproduktion - illustriert. Gerade die zeitgenössische Mediendokumente, alte Fotografien oder gar Filme mit Orginalkommentaren, versetzen den Besucher in die Anfänge sportlicher Betätigung zurück. Hier lohnt es sich länger zu verweilen, sich ganz der Faszination alter Tour de France Etappen, spannender Wettkampfverläufe und -demonstrationen bei olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften hinzugeben. Unterstützt wird dieses „Gänsehautverursachende“ Gefühl, wenn wenige Meter entfernt Orginalstücke oder Rekonstruktionen der Sportler ausgestellt sind. Besonders lohnt es sich auf eine Videoszene aus der Geschichte des Marathonlaufes zu warten: Das Drama um den armen Dorando Pietri. Es ist der Schlusstag der olympischen Spiele in London am 25.07.1908. Im vollbesetzten Stadion raunt die Menge, als die britische Königin den kleinen italienischen Mann mit dem buschigen Schnauzbart zu sich bittet und einen Goldpokal überreicht. Das eher kühle britische Publikum jubelt, der kleine Mann verbeugt sich und geht in die Sportgeschichte ein. Auslöser war der spannende Rennverlauf des Marathons. Der Brite Jack führte nach fünf km, dann stieß der Südafrikaner Hefferon zur Spitze vor und der Brite verlor Boden. Von hinten folgte dem langen, sehnigen Hefferon der kleine, bis dato unbekannte Mann aus Italien. Er konnte aufschließen, verlor wieder Kontakt und setzte bei km 37 unter tosendem Beifall des Londoner Publikums zum langen, finalen Spurt an. Der kleine italienische Pastetenbäcker überspurtete wie ein Mittelstreckenläufer den Südafrikaner und wurde im Stadion als Sieger erwartet. Hier begann dann das Drama. Das Stadion verstummte als der erwartete Sieger die letzte Runde beginnen wollte. Taumelnd setzte er einen Fuß vor dem anderen, war totenblaß und versuchte mit wackelnden Kopf und schlotternden Knien das Ziel zu erreichen. Er stürzte viermal, raffte sich jedesmal wieder auf und wurde von dem hinter ihm laufenden US-Amerikaner Hayes immer mehr bedroht. Leicht und locker sah sein Stil aus, das Stadion schrie hysterisch. Nur fünf Meter trennten ihn vom Zielband. Plötzlich sprangen zwei Zuschauer von ihren Plätzen, halfen Pietri auf und schubsten ihn über die Ziellinie, feierten ihn als Sieger. Stunden später wachte der Italiener aus der Bewusstlosigkeit und erfuhr von seiner Disqualifikation. Doch seine Tragik wurde zur Geschichte als die Königin ihm den Pokal mit den Worten übergab: „Ich habe kein Diplom für Sie, keine Medaille, keinen Eichenzweig, die ich Ihnen überreichen könnte. Aber nehmen Sie hier diesen Goldpokal, und ich hoffe, dass sie keine schlechte Erinnerung an unser Land mitnehmen.“


Kurzgeschichten
Auf der Laufbahn flankiert der Museumsbesucher an einem etwas zu kleinen Foto der finnischen Lauflegende Paov Nurmi vorbei. Der Laufstilist gewann zwischen 1920 und 1928 neunmal olympischen Edelmetall auf den Langstrecken. Ausstellungsstücke, wie die rekonstruierten Spikes von Emil Zaptopek, Jesse Owens oder Armin Harry oder die Startnummer des 5000m Olympiafinallaufs in Barcelona von Dieter Baumann erzählen kleine Geschichte aus legendären Leichtathletik-Zeiten. Eine besondere, von Museumsseite noch nicht ausgewiesene Geschichte, ist die der Spikes von Armin Harry. Als Ausstellungsstück kann der Besucher Spikes der Firma Adidas erblicken. Gelaufen ist der 100m Goldmedaillengewinner aber in Spikes der Firma Puma. Zur Siegerehrung durfte er jedoch seine Pumaschuhe nicht anziehen, da seinerzeit schon ein offizieller Ausrüstervertrag mit der brüderlichen Konkurrenz aus Hezogenaurach bestand. Die Museumsleitung wird in Kürze diese Geschichte ergänzen.

Eine besonderes Ausstellungsstück im Eingangs- und Ausgangsbereich des Museums. Der von der ostdeutschen Firma Germania hergestellte Laufschuh des russischen Schriftstellers Dr. Jurij Andrejewitsch. 1982 kaufte er ihn in der damaligen DDR, trug ihn über 40.000 Kilometer und gab ihn 1997 in das deutsche Generalkonsulat in St. Petersburg, um „dem deutschen Volke mit diesem Geschenk meine Hochachtung für die Fertigungsqualität seiner Produkte aus zusprechen.“ Völlig zerbeult, ausgelatscht steht er da. Die vielen Geschichten, die er und sein Träger erlebt haben, sieht man jedoch vor dem Auge ablaufen.


Olympiaden in Deutschland 
Zwei seperate Räumlichkeiten werden den olympischen Spielen in Deutschland gewidmet: Berlin 1936 und München 1972. Beide mit einer besonderen, eigenen Vergangenheit. Berlin als Propaganda-Spiele der arischen Rasse unter Leitung der Nationalsozialisten mit dem vom Publikum geliebten Sprint und Sprungstar aus Amerika: Jesse Owens. Vier goldene Medaillen gewinnt der farbige US-Boy aus Decatur in Alabama und gesellschaftliche Anerkennung in seinem Heimatland. Selbst zu damaliger Zeit in den Vereinigten Staaten keine Selbstverständlichkeit, ganz zu schweigen von der Wirkung, die er als Farbiger auf das deutsche Volk unter den Augen Adolf Hitlers ausübte.

36 Jahre später steht München als trauriges Kapitel in der Geschichte der olympischen Spiele. Zur Präsentation in dem modernen, noch heute benutzen Komplex des Olympiaparks, konnte erstmals ein Maskottchen präsentiert werden. „Waldi“ war das erste offizielle Maskottchen olympische Spiele. Heutzutage zerbrechen sich viele Agenturen den Kopf darüber, wie das optimale Maskottchen olympischer Spiele auszusehen hat. Waldi war einfach ein farbenfroher Dackel und diente einzig als Symbol für  die „heiteren Spiele“. Doch der Terroranschlag, die Entführung und schließlich die Ermordung israelischer Sportler am 05.09.1972 erschütterte die Welt. Palästinesische Terroristen drangen in das olympische Quartier der Israelis ein, töteten zwei Sportler, nehmen neun weitere gefangen. Sie fordern die Freilassung von über 200 Häftlingen aus israelischen Gefängnissen und eine gefahrlose Flucht. Auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck eröffnen Präzisionsschützen ein stundenlanges Feuerwerk, bei dem alle neun Geiseln, ein Münchner Polizist und fünf Palästinenser getötet werden. Empörung, Entrüstung, Entsetzen in der ganzen Welt, als das olympische Komitee nach eintägiger Unterbrechung mit der Begründung, dass Terroristen nicht den guten Willen und Sinn olympischer Spiel zerstören dürfe, beschließt: „The games must go on!“

www.sportmuseum-koeln.de



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Autor: cms Gesundheitsförderung und Sportdiagnostik, Köln
Clemens Sandscheper für Laufen-in-Koeln

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