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Melanie Kraus - „Olympia ein großer Wunsch“
 
 
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05.12.2011  

 
 

Melanie Kraus gehört nicht mehr zum DLV-Marathonkader. Das Ziel Olympia 2012 hat die Leverkusenerin mit einer Bestzeit von 2:27:58 Stunden trotzdem nicht aus den Augen verloren. Im Interview verrät die 37-Jährige, wie sie den Sprung nach London (Großbritannien) schaffen will.

Melanie Kraus, seit einigen Wochen ist der Marathon-Bundeskader öffentlich und Sie gehören nicht mehr dazu. Wie haben Sie das aufgenommen?
 
Für mich persönlich hat sich nicht viel verändert. Mein größtes Ziel ist es, körperlich gesund zu sein. Aus den vorangegangenen Jahren weiß ich, dass ich nur dann eine ansprechende Leistung zeigen kann, wenn ich das bin. 2007 habe ich nach sechs schwierigen Jahren auch ein schönes Comeback erleben dürfen, daran denke ich gerne zurück.
 

Das heißt, in Ihnen brennt noch das Läuferherz?
 
Hirn und Herz sollten im richtigen Verhältnis zusammenpassen. In den letzten Jahren gab es da zu viel Herz und zu wenig Hirn. Ich habe eine unglaubliche Freude am Laufen und manchmal vergesse ich, dass ich die eine oder andere Grenze nicht überschreiten sollte. Jetzt habe ich eine lange Beschwerdephase hinter mir und bin momentan relativ schmerzfrei. Nun muss ich eine entsprechende Form entwickeln, aber das kommt nicht von heute auf morgen.
 
Wird es im nächsten Jahr das zweite Comeback von Ihnen geben?
 
Ja. Das Temperament ist ungebrochen, aber ich muss Schritt für Schritt vorangehen. Momentan möchte ich vernünftig sein. Mein langfristiges Ziel ist es, einen Marathon ordentlich bestreiten zu können. Ich hoffe, dass ich mit Martin Czarnietzki gemeinsam einen Marathon laufen werde. Er hat mich bei meinen schönsten und wichtigsten Läufen begleitet, auch als Freund. Für uns wäre 2012 ein toller Abschluss und Olympia ein großer Wunsch. Wir planen den Marathon zusammen und er nimmt da einiges auf sich.
 
Bedeutet es, dass Sie sich Olympia noch einmal als Ziel gesetzt haben?
 
Ich habe Olympia als Wunsch und das Ziel ist es, möglichst gesund und schnell zu laufen. Eine Zeit kann man im Marathon nicht exakt planen, dazu kann einfach vor und während des Rennens zu viel passieren. Egal wie es kommt, wenn ich es schaffe, wäre es ganz toll. Wenn ich es nicht schaffe, ist das ein sportliches Ergebnis, mit dem ich auch gut leben kann. Ich bin da nicht mehr so verkrampft. Meine Olympiateilnahme 2008 war nach 16 Jahren Anlauf mit einem Riesenaufwand verbunden. Es wird für alle Beteiligten unvergesslich bleiben. Ich weiß sehr gut, wie schön das Erlebnis Olympia ist. Aber mir ist klar, dass es sehr schwierig werden wird.
 
Bei welchem Marathon möchten Sie sich im nächsten Jahr für die Olympischen Spiele qualifizieren?
 
Ich mache das davon abhängig, wie fit ich bin. Wenn man sich jedoch anschaut, wo ich im Frühjahr immer gestartet bin, dann sieht man, dass ich nicht viel variiert habe. Das werde ich auch im nächsten Jahr nicht ändern.
 
In einigen Monaten wird es also ernst. Wie beurteilen Sie ihren aktuellen Trainingsstand?
 
Momentan kann ich das Training von Woche zu Woche steigern. Es ist noch ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Laufeinheiten, Alternativtraining und speziellem Krafttraining. Im Gegensatz zu früher werde ich sicherlich einige Dinge im Training ändern, nicht mehr so extrem viele Kilometer laufen, sondern qualitativer trainieren.
 
Sie sagen, Sie seien nicht mehr so verkrampft. Wie hat sich das geändert?
 
Zu allererst musste ich endlich mal einsehen, dass man gewisse Dinge nicht erzwingen kann. Nur weil eine Sache nicht klappt, sollte man den Blick für andere schöne und interessante Dinge nicht verlieren. Ein wichtiger und richtiger Schritt war zudem eine berufliche Veränderung. In meinem Alter kann ich nicht mehr von einem ins andere Jahr reinleben und schauen, wie es mit dem Sport läuft. Deshalb arbeite ich seit einem Jahr bei Bayer Healthcare im Bereich der medizinisch-wissenschaftlichen Information.

Ein zeitaufwändiges Marathontraining mit dem Beruf zu vereinbaren klingt sehr schwer. Kritiker werden monieren, dass zwangsläufig eines von beiden auf der Strecke bleibt.
 
Es erfordert sicherlich ein gewisses Maß an Organisation, positiver Verrücktheit und Kompromissbereitschaft aller Beteiligten, aber ich war neben dem Sport bisher immer berufstätig oder habe studiert.
 

Wie verbinden Sie konkret Beruf und Sport?
 
Meine Woche ist eigentlich sehr durchstrukturiert. Mit meiner halben Stelle bei Bayer habe ich die Möglichkeit, meine Arbeits- und Trainingszeiten aufeinander abzustimmen. Generell gilt dabei: Ich bin Leistungssportlerin und Marathonläuferin, das ist eine Lebenseinstellung!
 
Sie haben nach langer Zeit beim Frankfurt-Marathon in der Staffel der Sieger wieder Wettkampfluft geschnuppert. Wie hat sich das angefühlt?
 
Es war ein Genusslauf und eine Ehre, dabei zu sein. Ich habe mit Charlotte Teske, Herbert Steffny und Stefan Freigang viel über das Laufen gefachsimpelt und es war schön, mal einen Marathon von dieser Seite zu erleben. Für mich war da ein lachendes und ein weinendes Auge dabei, weil es zwar sehr schön war, aber ich auch an die vergangenen Erfolge denken musste. Am Montag danach musste ich wieder vernünftig sein und kleine Schritte machen. Das fällt dann schon schwer, sich zurückzuhalten und rational zu handeln.
 





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Autor und Copyright: Peter Bock für Laufen-in-Koeln

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