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Detlev Ackermann

 
   
 
 

4 Kölner auf den Spuren des Pharaos Taharka
 
 
Laufen-in-Koeln >> Marathon und Ultraläufe >> Ägypten >> 100km Pharaonenlauf >> Artikel

14.11.2001  

 
 

Zum Hintergrund der Veranstaltung:
 
"Der Pharao und hohe Beamte hielten sich eine Truppe mit Läufern, die sie jeweils auf den Reisen als Beschützer begleitete. Das Reisemittel der damaligen Zeit war der Wagen - wobei die Leibwache im Laufschritt eskortierte. Der Fund der Lauf-Stele kann in die Zeit des Pharaos Taharka (690-664 v. Chr.) datiert werden. Auf dem Gedenkstein ist ein Text über ein Lauftraining und einen 100-km-Wettkampf eingeprägt:
Lauf-SteleDer Pharao geht ins Heerlager, um sich über den Zustand seiner Leute zu informieren. Er findet seine täglich trainierenden Soldaten in bester Verfassung. Später wird ein Wettkampf durchgeführt, der von der Residenzstadt Memphis durch die Wüste zur Oase Fajum führt. Der Start erfolgt in der Nacht, damit die Läufer nicht allzu heißen Temperaturen ausgesetzt sind. Der Pharao überzeugt sich selbst von der Kondition seiner Truppe, indem er gelegentlich ein Stück mitrennt ...
Dieser Umstand war einzigartig, denn für gewöhnlich pflegten sich die Pharaonen nicht mit dem gemeinen Volk zu messen.
Nach einer zweistündigen Erholungsphase wurde das Rennen gemeinsam fortgesetzt: Wer das erste Teilstück am schnellsten zurückgelegt hatte, durfte danach am längsten Pause machen. Die Umrechnung der Zeitangaben auf dem Gedenkstein für 50 km entspricht einer Laufzeit von etwa vier Stunden. Angenommen, die zweite Hälfte des Rennens wurde in einem ähnlichen Tempo absolviert, ergäbe das eine Gesamtzeit von acht bis neun Stunden für die 100 km.
Der Pharao honorierte auch die Leistungen im Wettkampf, bei dem alle in den Genuss einer Auszeichnung kamen."
(Quelle: Laufgruppe-Haeder)


2662-2691 Jahre später:
 

In Erinnerung an das damalige Rennen, sollte der geschichtliche Lauf nun nachgeahmt werden. Die 100km lange Strecke konnte als Staffel, oder als Einzelläufer zurückgelegt werden. Zur Versorgung der Athleten bekamen die Gruppen und die Einzelläufer jeweils ein Versorgungsfahrzeug, ausreichend Wasser, Bananen und einen Fahrer gestellt. Weiterhin betreuten die Läufer 2 Krankenwagen, sowie einzelne Polizeifahrzeuge.
Am 09.11.2001 gegen 6.00 Uhr morgens sollte es los gehen. Am Fuße der Sakkara-Pyramide. Am Start standen 10 Vertreter der einzelnen Staffel-Gruppen, sowie 14 Einzelläufer. Die Staffelgruppen bestanden aus gesamt 44 Teilnehmern, dessen Gruppen aus 2 bis 6 Teilnehmern bestanden.

Der Startschuss fällt und die 24 Athleten laufen der Morgendämmerung entgegen. Die ersten 1,4 km erweisen sich als recht einfach. Es geht leicht bergab. Persönlich (Detlev Ackermann) schließe ich mich der Gruppe von Ingeborg und Helmut Urbach an, die im hinteren Feld laufen. Clemens Müller läuft anfangs mit seiner Videokamera mit, um das große Ereignis filmerisch festzuhalten. Am Horizont sehen wir langsam sie Sonne aufgehen und sehen den wärmenden Strahlen mit gemischten Gefühlen entgegen. Der allmorgendliche Dunstschleier verschiebt jedoch ein schnelles Ansteigen der Temperatur in die späteren Vormittagsstunden.
 
Die Streckenführung der ersten 64,2km ist eigentlich recht einfach zu beschreiben. Es geht immer geradeaus, an einem Kanal entlang. Aber dafür erweist sich die Strecke als ein interessanter Streckenabschnitt mit Ackerbau und Palmenwäldern, der durch viele Ortschaften führt.
Bei km 11 betreten wir die erste Ortschaft, in dessen Seitenstraße wir für eine Wendestrecke einbiegen. Eine ganze Schar von Kindern kommt angelaufen und jubelt. Für einen kurzen Augenblick kommt man sich vor, wie beim Köln-Marathon. Doch der Schein trügt. In den Ortschaften spielt sich fast immer das gleiche Schauspiel ab. Die Kinder kommen aus allen Richtungen gelaufen und begrüßen einen. "hello", "what's your name", "from where you come" rufen sie einem zu. Aber auch "money, give me money" ist zu hören. Sofort wird klar, unter welchen Verhältnissen die Leute leben. Schlagartig wird einem wieder bewusst, dass man sich in einem Entwicklungsland befindet und nicht in einer Wohlstandsgesellschaft.
Das man sich nicht um jedes einzelne Kind kümmern kann und aus Zeitgründen eher mit einer gewissen Missachtung davonläuft, stößt bei ihnen auf großes Unverständnis. Hierbei reagieren einige Kinder entsprechend beleidigt. Persönlich tut mir das leid, da ich die Ägypter als ein sehr gastfreundschaftliches Volk kennen gelernt habe, das viel Wert auf gegenseitiges Kennen lernen legt. Da aber immer Polizei in der Nähe war, gab es keine ernsthaften Zusammenstöße.
Am Wendepunkt begegnen wir der Dashur-Pyramide. Dies ist auch der erste Kontrollpunkt, bei dem unsere Zwischenzeiten notiert werden. Auf dem Rückweg der Wendestrecke lasse ich mir erstmalig eine Wasserflasche reichen. Ingeborg und Helmut laufen  weiter, hole sie jedoch später wieder ein.
Nach 18km erreichen wir wieder die Hauptstraße am Kanal und es geht weiter der Sonne entgegen. Diese steigt unaufhörlich höher und der Dunstschleier verschwindet allmählich. Nun macht sich langsam auch die Hitze bemerkbar.
Bei km 39 wird der nächste Kontrollpunkt angelaufen. Hier tausche ich mein Schweißband gegen ein Käppi ein, um meinen Kopf vor der Hitze zu schützen. Zur Abkühlung schütte ich mir nun auch des Öfteren eine halbe Flasche Wasser direkt über den Kopf. Langsam trennen sich auch die Wege von Ingeborg, Helmut und mir. Ingeborg macht einen guten Eindruck und läuft uns allen davon. Helmut zeigt Schwächen. Nach eigenen Angaben hat er mit Atemnot zu kämpfen und fällt zurück. Ich versuche ihn mit ein paar lockeren Witzen aufzuheitern, doch das gelingt mir leider nicht und ich lasse ihn zurück. Bei km 44 sehe ich ihn später wieder an mich herankommen. Er hat aufgeholt. Ab da überholen wir uns gegenseitig abwechselnd.
Bei km 50 sehe ich ihn auf einer Bank sitzen, umringt von Helfern. Mein Fahrer erzählt mir später, dass der Mann mit dem großen Schnauzbart aufgegeben hat.
Nun bin ich mit meinem Begleiter und dem Versorgungsfahrzeug allein. Nach 64,2km sehe ich in 300m Entfernung die Meidum Pyramide. Langsam geht mir die Puste aus. das Atmen fällt mir schwer. Die trockene Luft brennt in meinen Lungenflügeln. Bei jedem Atemzug spüre ich tausende kleine Nadeln im Brustbereich. Ich fange an, Gehpausen einzulegen.
Nun verlasse ich auch die grüne Ader am Kanal und gehe nun zum zum großen Wüstenerlebnis über. Bei km 68 erreiche ich wieder einen Kontrollpunkt. Ab hier gibt es die nächsten km nur noch Wüste. Die Sonne steht mittlerweile hoch am Himmel und erreicht Höchsttemperaturen von schätzungsweise an die 26°C. Den nächsten Kontrollpunkt erreiche ich bei km 71. Christel, meine Reiseleiterin empfängt mich dort mit einer frisch geschälte Apfelsine. Ich nutze die Zeit, in der sie mich mit der Meidum-Pyramide im Hintergrund fotografiert, für eine kurze Erholungspause. Wir unterhalten uns noch kurz, bevor ich weiter in die Wüste eindringe. Es ist ein unglaubliches visuelles Erlebnis. Eine km lange Straße und nichts als Sand. Auf den Sandhügeln tummeln sich vereinzelt Wüstenhunde. Kurze Zeit später treffe ich wieder Christel, die mich einige km begleiten will. Ich reiße mich zusammen und versuche längere Abschnitte zu laufen. Aber die trockene Luft erschwert mein Vorhaben und zwingt mich wieder zu Gehpausen. Wir wechseln über zu Power-Walking, wobei ich versuche mit ihr Schritt zu halten. Wir rechnen aus, dass ich wohl insgesamt 13 Stunden zum Finishen brauchen würde. Als hartnäckiger Läufer nehme ich die Zeitprognose und die noch anstehenden Stunden jedoch eher gelassen hin. In's Ziel kommen, egal wie, habe ich mir vorgenommen.
Bei km 81 überqueren wir einen Bahnübergang. Ein Blick auf die Gleise lässt mich jedoch zweifeln, das hier wirklich noch ein Zug fährt. Nach dem Motto, 'hauptsache es funktioniert', werde ich später eines Besseren belehrt. Ab hier bin ich nun wieder allein, da die Christel sich wieder im Zielbereich einfinden muss. Auch mein Fahrer mit dem Begleitfahrzeug verlässt mich nun für einige Zeit. Ich genieße die Stille und die grenzenlose Freiheit. In regelmäßigen Abständen besucht mich ein anderes Versorgungsfahrzeug und bietet mir Wasser und Bananen an. Gegen Abend wird es wieder etwas kühler und ich bewundere den wunderschönen Sonnenuntergang über dem Wüstenhorizont. Dieser vollzieht sich ungewohnt schnell, so dass man sich kurzer Zeit in absoluter Dunkelheit befindet. Da es hier keinerlei Dämmerung durch Grosstadtlichter gibt, zeigt sich der Himmel als pechschwarz mit seinen funkelnden Sternen. Rechtzeitig kommt mein Begleiter wieder zurück, so dass ich ab hier im Scheinwerferlicht meines Begleitfahrzeuges laufen kann. Von der Umgebung ist nun nicht mehr viel zu sehen.
Bei km 97,5 treffe ich wieder auf einen Kontrollposten. Die letzten Kräfte werden mobilisiert und ich erreiche nach 13:13:11 Stunden endlich das Ziel. Völlig Erschöpft bekomme ich eine äußerst attraktive Medaille umgehängt und eine besondere Urkunde auf Papyrus überreicht. Ein Finisher-Foto wird auch noch gemacht. Die Medaille ist schon eine Attraktion, dessen Ebenbild man in Deutschland vergeblich suchen wird. Wenig später treffe ich Clemens Müller. Er war 16 Minuten vor mir eingetroffen.

Ursprünglich war eine Sollzeit von 12 Stunden vorgesehen, die aber zur Beruhigung aller Teilnehmer im Vorfeld schon aufgehoben wurde. Wie sich zeigte, benötigten 5 Teilnehmer über 12 Stunden, wobei der Letzte nach 13:31:26 Stunden das Ziel erreichte.

Gewonnen hat das Rennen der Ägypter Mahmud Ali Dehais mit einer Zeit von 08:35:20 Stunden. Erst 1:11:28 Stunden später traf der 2. Finischer ein. Erwin Remmele aus Deutschland. Als einzige Frau, und damit als Siegerin unter den Frauen wurde Ingeborg Urbach. Sie erreichte das Ziel nach 12:24:07 Stunden. Zur Ehrung bekommt sie im Rahmen der Siegerehrung eine silberne Medaille und eine Schale überreicht.
Von insgesamt 14 Einzelläufern erreichten 12 das Ziel. 2 Läufer gaben somit vorzeitig auf.

Die Schnellste Staffelgruppe brauchte übrigens nur 5:44:24 Stunden und wurde von den Ägyptern gewonnen. Die Deutschen erreichten den 3. Platz mit einer Zeit von 7:25:18 Stunden. Die letzte Gruppe erreichte die Ziellinie nach 9:45:01 Stunden und wies eine gemischte Gruppe aus verschiedenen Nationalitäten auf.

Zurück im Hotel erwartete die Athleten eine Siegerehrung, sowie ein reichhaltiges Buffet.





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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln


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