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Kapitel 6: Der 3. GutsMuths-Rennsteiglauf und seine Nachwehen
 
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21.05.2002 

 

Der 3. GutsMuths-Rennsteiglauf war, wie seine beiden Vorg├Ąnger, noch stark vom Studentensport der Jenaer Universit├Ąt getragen. Nicht nur die Idee, die Ausschreibung und ein Teil der Organisation wurde von Studenten und Mitarbeitern der Universit├Ąt ├╝bernommen. Fast ein Drittel der Teilnehmer (281) stammte von Hoch- und Fachschulen aus der ganzen DDR. Im Organisationsstab waren 16 Studenten t├Ątig. Das gesamte Meldeb├╝ro wurde von Jenaern gestellt, die tatkr├Ąftig von Herbert Wei├č und einigen Sportfreunden aus Goldlauter und Schnepfenthal Unterst├╝tzung erhielten. Bis kurz vor dem Start arbeiteten alle flei├čig bei der Ausgabe der Startunterlagen usw., um dann p├╝nktlich in der Nacht um 1.00 Uhr selber als Aktive an den Start zu gehen, darunter waren auch der Gesamtleiter H.-G. Kremer und sein Stellvertreter H. Wei├č.

Nach dem Lauf erschien erstmals ein Ergebnisheft mit einem wissenschaftlichen Teil ├╝ber die sportmedizinischen und soziologischen Untersuchungsergebnisse, denen sich alle Teilnehmer der "Langen Strecke" unterziehen mussten. Die meisten Teilnehmer des 3. Rennsteiglaufes kamen mit 88 Startern aus dem Raum Leipzig. Jeweils 54 sind es aus Dresden und Jena, 48 aus Zella-Mehlis, 42 aus Erfurt und Cottbus, 36 aus Suhl, 28 aus Ilmenau, 26 aus Weimar und Halle.

Zu den Kuriosa dieses Laufes d├╝rfte die Geschichte des 79 j├Ąhrigen Eduard Malcolm aus Jena z├Ąhlen. Er hatte die Teilnahme an der "Kurzen Strecke" (38 km) abgelehnt, da diese nur von Frauen gelaufen w├╝rde. Da Eduard Malcom in Jena den Bus verpasste, der von der Universit├Ąt bereitgestellt wurde, fuhr er mit dem Fahrrad zum Start nach Schnepfenthal (80 km). Als der r├╝stige Rennsteigl├Ąufer dann wegen der Dunkelheit doch unterwegs aufgab, lief er zur├╝ck zu seinem Rad in Schnepfenthal und fuhr wieder nach Hause.

Zu den Besonderheiten des Rennsteiglaufs geh├Ârte auch die Versorgung. Nach sportmedizinisch vorbereiteten Rezepten gab es Haferschleim an fast allen Verpflegungsstellen und in Limbach f├╝r alle Teilnehmer eine Banane. Wer die Versorgungslage in der DDR noch kennt, kann einsch├Ątzen, was dies bedeutete. Die Bananen hatte ein Sportlehrer der Jenaer Universit├Ąt auf Grund seiner Beziehungen im "Russen-Magazin", einer Verkaufsstelle der "Sowjetischen Garnison", beschafft.

Auch die Ausgabe eines Teilnehmerabzeichens an alle im Ziel geh├Ârte zu den Extras dieses Laufes. Sie wurden vom dem sp├Ąter bekannten Th├╝ringer Medailleur Helmut K├Ânig aus Zella-Mehlis in Feierabendarbeit gepr├Ągt. F├╝r die f├╝nfzehn silbernen Nadeln, die als Auszeichnung an die wichtigsten Organisatoren vergeben wurden, stiftete der Gesamtleiter des Laufes einen silbernen L├Âffel aus dem Familienbesteck.

Unmittelbar nach dem Lauf bem├╝hte sich die HSG Uni Jena, den weiteren Bestand dieser Veranstaltung zu sichern, da die Mehrheit der Teilnehmer schon im Ziel angek├╝ndigt hatten, dass sie im n├Ąchsten Jahr wiederkommen w├╝rden. Die HSG-Leitung bot daher dem DTSB-Bundesvorstand die ├ťbernahme des GutsMuths-Rennsteiglaufes als Veranstalter an. Etwa gleichlautend schrieb der Schirmherr des 3. Rennsteiglaufs, Prof. Dr. W. Schr├Âder als Vorsitzender der Universit├Ątssportkommission, an den Minister f├╝r Hoch- u. Fachschulwesen der DDR, dass er seine (des Ministers) Unterst├╝tzung darin sehen w├╝rde, dass der Minister dem Pr├Ąsidium f├╝r Hoch- und Fachschulsport die Hauptverantwortung f├╝r die Durchf├╝hrung des 4. GutsMuths-Gedenklaufes 1976 ├╝bertragen k├Ânnte. Die HSG der Friedrich-Schiller Universit├Ąt Jena w├Ąre bereit die Gesamtleitung zu tragen, wenn sie nicht wieder finanziell zuschie├čen m├╝sste. Als Antwort erhielt die Universit├Ątsleitung vom Minister f├╝r Hoch- und Fachschulwesen einen ablehnenden Antwortbrief, der folgenden wichtigen Satz enthielt: "Nach R├╝cksprache mit dem Vizepr├Ąsidenten des DTSB der DDR, der seinerseits Gen. Manfred Ewald konsultierte, ergibt sich, da├č eine zentrale Gedenklaufveranstaltung nicht akzeptiert wird (keine sportpolitische, sportliche oder sportmedizinische Notwendigkeit)." Dies war zwar verklausuliert aber doch sehr deutlich der Hinweis an die Universit├Ąt Jena den Lauf nicht mehr zu organisieren, was fast einem Verbot gleichkam. Da dieses Schreiben auf dem Schreibtisch der Universit├Ątsleitung bis zum Semesterbeginn liegenblieb, begannen die Akteure in der HSG und in Goldlauter mit den Vorbereitungsarbeiten, mussten aber bald merken, dass die Unterst├╝tzung von h├Âher gestellten Institutionen deutlich nachlie├č. So lehnte z. B. die GST (Gesellschaft f├╝r Sport und Technik) ab, ihr Ausbildungslager in Scheibe-Alsbach als ├ťbernachtungs- und Organisationsstandort eines Starts bereitzustellen. Um der Organisation einen offiziellen Rahmen zu geben, trafen sich die mitorganisierenden Sportgemeinschaften im Herbst in Goldlauter und gr├╝ndeten eine Interessengemeinschaft "GutsMuths-Rennsteiglauf". Bernd Will von der SG Beerberg Goldlauter erkl├Ąrte sich bereit, die Gesamtleitung zu tragen. Herbert Wei├č ├╝bernahm wieder die technische Leitung. Agitation und Propaganda (├ľffentlichkeitsarbeit) Finanzen und anderes verblieb bei den Gr├╝ndern in Jena.

Da die im Bereich des DDR-Kulturbundes ├╝bliche lockere und basisdemokratische Organisationsform einer Interessengemeinschaft im zentral gelenkten DDR-Sport unbekannt war, gelang es dem Vorsitzenden des DTSB Bezirksvorstandes Suhl, beim DTSB Bundesvorstand die Zustimmung zur ├ťbernahme des GutsMuths Rennsteiglaufes 1976 zu erhalten. Damit war zwar der bisherige Name nach heftiger Diskussion von GutsMuths-Gedenklauf in GutsMuths-Rennsteiglauf ge├Ąndert aber der weitere Bestand als Ultramarathon vorerst gesichert.





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Autor: Copyright Hans-Georg Kremer,