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Beim TSV Bayer 04 Leverkusen geht eine Ära zu Ende |
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TSV-Führungsduo tritt nicht zur Wiederwahl an
Beim TSV Bayer 04 Leverkusen
geht eine Ära zu Ende. Bei der Mitgliederversammlung der Leichtathletikabteilung
am kommenden Dienstag (22. April) stellen sich sowohl Abteilungsleiter Joachim
Strauss als auch seine Stellvertreterin Heide Ecker-Rosendahl nicht mehr zur
Wahl. Der langjährige Sportwart Günther Cordier tritt ebenfalls ab. Das Trio ist
seit 2002 im Amt und hat mit umfassendem Engagement und fachlicher Kompetenz die
Erfolgsgeschichte der Abteilung effizient fortgeschrieben trotz zweifellos
schwieriger Zeiten.
Das Führungsgremium soll
verjüngt werden und deshalb nach gut 15 Jahren Schluss sein. Es ist nun Zeit
für einen Wechsel, erklären Joachim Strauss und Heide Ecker-Rosendahl unisono.
Wir haben aus dem Bereich der Bayer AG zwei Leichtathletik affine
Führungspersönlichkeiten zur Fortführung unserer Arbeit gewinnen können. Das
macht uns den Abschied leicht, betont Joachim Strauss. Sozusagen als
Dreierkette mit Geschäftsführer Paul Heinz Wellmann waren er und seine
Stellvertreterin stets ebenso souveräne wie umtriebige Macher.
Das Trio hat sehr viel Energie,
Leidenschaft und Herzblut in den Verein investiert. Immerhin galt es, ab 2010
ein Fünftel des Haushaltes durch andere Einnahmen auszugleichen. Plötzlich
stand ich ohne Athletenetat da, erinnert sich der scheidende Abteilungsleiter.
Die Buchhalter aus dem Bayerbereich hatten nicht bedacht, dass wir die
Kürzungen nicht direkt bei den Fixkosten unserer in Deutschland einzigartigen
Infrastruktur wie Trainerstab und Anlagenetat umsetzen konnten, so Joachim
Strauss. Wir haben beim Ausrüster adidas, dem Verband und öffentlichen
Institutionen Klinken geputzt, um den Standort zu retten.
Herausforderungen angenommen
In der Folge gelang es sogar,
weiter in die Zukunft zu investieren. Das 20 mal 20 Meter große Wurfhaus
inklusive Kraftraum, Messanlage und Anlaufbahn für die Speerwerfer sowie der in
dieser Form weltweit einzigartige Stabhochsprungmessplatz das sind nur zwei
von vielen Projekten. Größte sportliche Erfolge der Ära: die Weltmeistertitel im
Speerwurf von Steffi Nerius (2009) und Katharina Molitor (2015).
Herber Rückschlag: das Aus des
Leverkusener Leichtathletik-Meetings. Die für den 24. Juni 2010 geplante 16.
Auflage fand nicht mehr statt. Viele Jahre war das Sportfest der letzte Formtest
für deutsche Leichtathleten auf dem Weg zu den internationalen
Saisonhöhepunkten. Allerdings nahm die rührige Crew um Joachim Strauss, Heide
Ecker-Rosendahl und Paul Heinz Wellmann die Herausforderung an und initiierte
hochkarätige Spezial-Meetings, so den Nerius-Cup und die Stabhochsprung Classics
(Neuauflage am 27. Juli).
Als Ausrichter viel gelobt
Hinzu kommt der boomende
Straßenlauf Rund um das Bayerkreuz, der alljährlich im März rund 2.500 Aktive
und ein Vielfaches an Zuschauern anlockt. Zudem gelang es, etliche nationale
Titelkämpfe nach Leverkusen zu holen. So fanden 2011 die Deutschen
Jugend-Hallenmeisterschaften und 2015 die Team-DM der U20 dort statt. Für die
Ausrichtung gab es viel Lob. Am 17. und 18. Juni ist das Manforter Stadion
Schauplatz der Deutschen U23-Meisterschaft.
Joachim Strauss, 22 Jahre lang
für die Bayer AG als Justiziar tätig und seit 2008 wieder als freier
Rechtsanwalt tätig, war einst ein erfolgreicher Mittelstreckler. Seine
800-Meter-Bestzeit steht bei 1:47,3 Minuten und stammt aus dem Jahre 1973.
Dreimal trug er das Trikot der Nationalmannschaft. 1971 und 1973 war der
gebürtige Wiesbadener mit Bayer 04 Leverkusen Deutscher Meister in der 4 mal
800-Meter-Staffel. Nebenher spielte er mit Rot-Weiß Leverkusen und Rot-Weiß
Opladen als Spitzenspieler in der Verbandsliga Tennis. Um sein Jurastudium zu
finanzieren, arbeitete er zudem als Tennislehrer.
Heide Ecker-Rosendahl, seit 52
Jahren Vereinsmitglied, personifiziert die große Geschichte der Leverkusener
Leichtathletik. Mit der Dynamik, mit der sie 1972 in München zweimal
Olympia-Gold (im Weitsprung und als Schlussläuferin der 4 x 100-Meter-Staffel)
und einmal Olympia-Silber (Fünfkampf) erkämpfte, sorgte sie später mit dafür,
dass Leverkusen als Leistungszentrum der Leichtathletik erhalten blieb. Unter
anderem koordinierte die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse
überaus erfolgreich die Sponsorensuche.
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Autor und Copyright: Harald Koken für Laufen-in-Koeln
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