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Detlev Ackermann

 
   
 
 

Presto
 
 
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01.07.2002  

 
 

Wir befinden uns jetzt auf dem längsten Anstieg der Strecke nach Field´s Hill. Allen geht es gut, wir haben unseren Rhythmus gefunden, die Temperaturen sind noch moderat. Viele Menschen sind an der Strecke. Immer wieder laufen wir an Zuschauergruppen vorbei, die sich bei einem „Bra“ (Grillessen) stärken. Bratwurstgestank, Holzkohlenqualm und Biergeruch begleiten uns die nächsten Stunden.

Die Stimmung ist euphorisch. Erkennbar durch meine Startnummer und ein kleines Fähnchen an der Mütze werde ich laufend als „International“ oder als „German“ begrüßt: „Welcome in South Africa!
Enjoy the race! Guten Morgen, Deutschland! All the best!“ Vor mir sehe ich ein Trikot mit der Rückenaufschrift „TV Mölln“. Das muss Thore Joten sein, ein schlachterprobter Haudegen von 67 Jahren, der es sich noch einmal beweisen will. Es geht ihm ausgezeichnet, er ist voller Zuversicht. Am Ende wird er es wie viele andere doch nicht ganz schaffen, weil ihn die Beine 3 km vor dem Ziel nicht mehr tragen wollen.

Wir passieren ein College. Die Schüler befinden sich in ihrer Schuluniform an der Strecke und feuern uns enthusiastisch an. Inzwischen ist auch der Scheitelpunkt erreicht. Die Entlastung im Gefälle nach Hill Crest ist nur kurz, bis der Dritte von den „Big Five“, Botha´s Hill, vor uns liegt. Mir geht es immer noch gut, mein Optimismus wächst.

Da kommt die „Wall of Honour“, an der alle Helden vergangener Rennen auf Plaketten verewigt sind. Viele berühmte Läufer sind darunter, Bill Rowan und Arthur Newton, die zu den Pionieren gehören, Bruce Fordyce, der König des Comrades, der große Alberto Salasar und nicht zuletzt die Deutschen: Charly Doll, Maria Bak, Birgit Lennartz.

Wenig später sehe ich das große Heim für behinderte Kinder, das wir vor 2 Tagen im Rahmen der Streckenbesichtigung besucht haben. Die Einrichtung wird aus den Erlösen des Wohltätigkeitsprogramms des Comrades unterstützt. Für die Kinder ist der Comrades ein jährlicher Höhepunkt. Sie jubeln allen Läufern unermüdlich zu. Ich winke zurück und klatsche viele Hände ab: Alles Gute auch für euch, ihr braucht es noch viel mehr als wir Läufer!

Auf der linken Seite nehme ich vor mir auf einem Hügel den hohen, schlanken Sendemast war: Halfway! Bis hier ging es mir vor 2 Jahren auch noch gut. Das Leiden hat erst nach 50 km begonnen und steigerte sich bis zum Ziel in Dimensionen, von deren Existenz ich vorher nichts geahnt habe. Heute habe ich bisher alles unter Kontrolle und beschließe, jetzt den Teil des Laufes zu genießen, den ich vor 2 Jahren kaum noch visuell wahrgenommen habe. Also, ganz ruhig bleiben, der eigenen Stärke vertrauen und die Kräfte gut einteilen.





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Autor und Copyright: Karlheinz Kellert,

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