Laufen.NRW (KŲln)
Das Łberregionale Online-Magazin im Rheinland
‹ber 6.500 Beitršge zu allen Themen rund um den Laufsport

DRUCK-VERSION 20.12.2008

 

 
 

Kinder verletzen sich im Sport anders als Erwachsene
 
Laufen-in-Koeln >> Rund um's Laufen >> Tipps und Infos zum Thema Laufen >> Artikel

19.11.2020 

 

 
Kinder m√ľssen sich ausreichend bewegen und Sport treiben. Neben einer Verbesserung von Kraft und Koordination, kommen mehr Beweglichkeit, Schnelligkeit und Ausdauer, sowie eine h√∂here Leistungsf√§higkeit hinzu. Regelm√§√üiger Sport verbessert Herz und Kreislauf, st√§rkt das Immunsystem und kann chronischen Erkrankungen vorbeugen. Allerdings passieren jedes Jahr in Deutschland rund 300.000 Unf√§lle bei Kindern und Jugendlichen im Sport. Bei jedem Achten wird eine station√§re Aufnahme f√ľr mindestens 1 Nacht erforderlich. Die GOTS erkl√§rt, welche Probleme dabei im Vordergrund stehen
 
Grundsätzlich muss zwischen akuten Verletzungen und Überlastungsschäden unterschieden werden.
Je nach Sport gibt es unterschiedliche sportartspezifische Verletzungsmuster. Je nach Beanspruchung in der ausge√ľbten Sportart l√§sst sich ein h√∂heres oder niedrigeres Verletzungsrisiko absch√§tzen. Grunds√§tzlich ist das Verletzungsrisiko in Sportarten mit Gegnerkontakt (die meisten Ballsportarten und Kampfsportarten) erh√∂ht, ebenso in Sportarten, die mit hohem Tempo ausge√ľbt werden (z.B. alpiner Skilauf). Im Schulsport passieren mehr als 50 Prozent der Verletzungen bei Ballsportarten. Geh√§uft finden sich Hand- und Fingerverletzungen beim Basketball, Handball und Volleyball sowie Fu√ü bzw. Sprunggelenkverletzungen beim Fu√üball.
 
Der Unterschied zum Erwachsenen
 
Gegen√ľber Verletzungsstatistiken im Erwachsenenalter ereignen sich bei Kindern deutlich weniger Muskel-, Sehnen- und Bandverletzungen. Bei Kindern kommt es in rund einem Drittel der F√§lle zu Frakturen, zwei Drittel betreffen die obere Extremit√§t. Auch, wenn der kindliche Bewegungsapparat ? je j√ľnger er ist ? ein erhebliches Korrekturpotential aufweist und es nach Frakturen h√§ufig zu Spontankorrekturen kommt, ist darauf zu achten, dass der K√∂rper eine O-Beinstellung besser korrigiert als eine X-Beinstellung.
 
Schwachstelle Wachstumsfuge
 
"Der Bewegungsapparat weist durch die noch offenen Wachstumsfugen, insbesondere im Bereich der Apophysen, eine Schwachstelle auf, die entweder akut oder auch durch chronische Belastung gesch√§digt werden kann. Auch die gelenknahen Epiphysen sind verletzungsanf√§llig und k√∂nnen je nach Sch√§digung zu dauerhaften Problemen f√ľhren. Wird eine Wachstumsfuge direkt durch ein Trauma verletzt, kann es zu einem fr√ľhzeitigen Verschlie√üen von Teilen der Wachstumsfuge kommen, woraus sich ein Fehlwachstum mit Achsabweichung ergeben kann. Eine engmaschige Kontrolle einer verletzten Wachstumsfuge ist erforderlich, um m√∂glichst fr√ľhzeitig ein Fehlwachstum zu diagnostizieren", erkl√§rt Prof. Dr. Holger Schmitt, Vorsitzender des GOTS- Komitees Kindersportorthop√§die.
 
Auch gerade im Leistungssport auftretende immer wiederkehrende gleichf√∂rmige Impulse auf Wachstumsfugen durch intensives Training k√∂nnen Einfluss auf deren Wachstumsverhalten haben. Stauchende Belastungen scheinen einen eher hemmenden Einfluss zu haben, exzentrische Belastungen eher einen stimulierenden. So wird bei Turnern eher ein fr√ľhzeitiger Verschlei√ü der k√∂rperfernen Wachstumsfuge der Speiche mit Verk√ľrzung des Unterarmes beobachtet, bei Tennisspielern eher eine Stimulierung mit Verl√§ngerung des Schlagarmes.
 
Auch die Wirbelsäule des Kindes kann auf intensive sportliche Belastungen reagieren. Neben isolierten Wirbelkörperaufbaustörungen werden stärkere Kyphosewinkel bei sportlich aktiven beobachtet, auch wenn keine pathologischen Winkel resultieren.



__________________________________
Autor und Copyright: Gesellschaft f√ľr Orthop√§disch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS)
Foto: GOTS