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Abnehmen durch Sport - Warum körperliche Bewegung zu mehr Essen verleitet ...
 
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07.04.2021 

 

Prof. Dr. Karsten K√∂hler, Professur f√ľr Bewegung, Ern√§hrung und Gesundheit an der Technische Universit√§t M√ľnchen
 
Abnehmen durch Sport - Warum körperliche Bewegung zu mehr Essen verleitet und was man dagegen tun kann
 

Laut einer Statistik der Deutschen Adipositas Gesellschaft sind in Deutschland rund zwei Drittel der M√§nner und die H√§lfte der Frauen √ľbergewichtig. Zudem wollen mehr als sieben Millionen Menschen in Deutschland an Gewicht verlieren. Eine M√∂glichkeit dazu ist k√∂rperliche Bewegung. Der Fragestellung, welchen Einfluss Sport auf das (un-) mittelbare Ern√§hrungsverhalten hat, ist ein Forschungsteam angef√ľhrt von der Technischen Universit√§t M√ľnchen (TUM) nun erstmals nachgegangen.
 
Laut einer Statistik der Deutschen Adipositas Gesellschaft sind in Deutschland rund zwei Drittel (67 Prozent) der M√§nner und die H√§lfte (53 Prozent) der Frauen √ľbergewichtig. Sie haben demnach einen Body-Mass-Index (BMI) von √ľber 25*. Zudem wollen laut Verbrauchs- und Medienanalyse 2020 rund 7,17 Millionen Menschen in Deutschland an Gewicht verlieren.
 
Wer abnehmen will, muss mehr Energie verbrauchen, als er zu sich nimmt. Eine Rolle spielt dabei auch die k√∂rperliche Bewegung. Denn durch Sport werden mehr Kalorien verbraucht als im Sitzen, Stehen oder Liegen. Doch welchen Einfluss hat Sport auf das (un-)mittelbare Ern√§hrungsverhalten? Dieser Fragestellung ist ein internationales Forschungsteam der TU M√ľnchen und der University of Nebraska in Lincoln (USA) nun erstmalig nachgegangen.

Randomisierte Studie
 
"Im Sportkontext haben wir das Ph√§nomen, dass Menschen nach k√∂rperlicher Bewegung zu viel essen", erkl√§rt Prof. Dr. Karsten K√∂hler, Leiter der Professur f√ľr Bewegung, Ern√§hrung und Gesundheit. "Man will sich und den K√∂rper daf√ľr belohnen, dass man aktiv war. Wir wollten deshalb anhand eines hypothetischen Experiments herausfinden, warum Menschen nach dem Sport mehr essen im Vergleich zu, wenn sie keinen Sport treiben."
 
Ziel der randomisierten √úberkreuzstudie war es, den Einfluss einer sportlichen Bet√§tigung auf hypothetische Entscheidungen bez√ľglich der Menge und des Zeitpunkts der Nahrungsaufnahme zu untersuchen.
 
Daf√ľr wurden 41 gesunde Teilnehmerinnen und Teilnehmer (23 Frauen, 18 M√§nner) im Alter zwischen 19 und 29 Jahren mit einem durchschnittlichen BMI von 23,7 beim ersten Besuch nach dem Zufallsprinzip entweder einem 45-min√ľtigen Training oder einer gleich langen Ruhephase zugewiesen und absolvierten beim zweiten Besuch die jeweils andere Studienbedingung.
 
Subjektive Einschätzung zu Hunger und Sättigung
 
Die Trainingsgruppe beantwortete dabei jeweils vor der k√∂rperlichen Aktivit√§t einen elektronischen Fragebogen √ľber ihre subjektive Einsch√§tzung zu Hunger und S√§ttigung, zu bevorzugter Nahrungsmenge zum Verzehr und zur Wahl zwischen Lebensmitteln, die sich im Zeitpunkt des Verzehrs unterscheiden.
 
Die Probanden gaben ihre Pr√§ferenzen der Nahrungsmenge an, indem sie ihre gew√ľnschte Portionsgr√∂√üe eines jeden Nahrungsmittels auff√ľhrten. Die Pr√§ferenzen wurden dabei sowohl f√ľr den sofortigen als auch f√ľr einen sp√§teren Verzehr des Essens nach vier Stunden ermittelt.
 
Nach der Beantwortung des ersten Fragebogens f√ľhrten die Teilnehmenden 45 Minuten aerobes Training auf einem Fahrradergometer aus. Direkt im Anschluss f√ľllten sie den elektronischen Fragebogen ein zweites Mal und nach 30 Minuten Pause dann noch ein drittes Mal aus. Die Vorgehensweise hinsichtlich der Gruppe ohne Training war identisch, anstatt 45 Minuten k√∂rperlicher Aktivit√§t hatten sie jedoch eine Ruhepause.
 
Im Vergleich zum Ruhen sorgte Bewegung zu einem gr√∂√üeren Anstieg der gew√§hlten Nahrungsmenge, sowohl unmittelbar nach dem Training als auch 30 Minuten danach. Die k√∂rperliche Aktivit√§t f√ľhrte au√üerdem zu einem h√∂heren Anstieg der Pr√§ferenz f√ľr den sofortigen Verzehr von Nahrungsmitteln sowohl unmittelbar nach dem Training als auch 30 Minuten danach.
 
Gewichtsreduktion durch Sport
 
"Auf Basis der Studie konnten wir erstmals zeigen, dass sich bestimmte Eigenschaften, wie die Menge und die Dringlichkeit, mit der eine Person essen m√∂chte, √ľber den Verlauf einer k√∂rperlichen Belastung ver√§ndern", ordnet Prof. K√∂hler die Ergebnisse ein. "Diese Befunde helfen uns bei der Entwicklung neuer Interventionen, um eine Gewichtsreduktion durch Sport zu optimieren."
 
"Die vorliegenden Resultate deuten darauf hin, dass die k√∂rperliche Anstrengung Sporttreibende dazu verleiten kann, nach dem Sport eher schneller und gr√∂√üere Mengen Nahrung zu sich zu nehmen", sagt Prof. K√∂hler. "Da die Gewichtsabnahme f√ľr viele ein Hauptmotiv f√ľr das Sporttreiben ist und ein Nichterreichen der gew√ľnschten Gewichtsabnahme den Ausstieg aus dem Sport wahrscheinlich macht, k√∂nnte es eine gute Strategie sein, sich schon vor dem Training zu √ľberlegen, was man nachher essen m√∂chte."
 
Wie nachhaltig diese und weitere m√∂gliche Strategien wirken, wie man dadurch die langfristige Einhaltung von Trainingsprogrammen verbessern und zu g√ľnstigen gesundheitlichen Ergebnissen √ľber die Gewichtsabnahme beitragen kann und ob sich der Effekt m√∂glicherweise irgendwann abnutzt, ist Gegenstand der aktuellen Forschung des Forschungsteams.
 
 
    Originalpublikation
 
Gesundheit: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/obesity-and-overweight  Internationales Datenmaterial zu Übergewicht und Adipositas




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Autor und Copyright: Dr. Andreas Battenberg Corporate Communications Center Technische Universit√§t M√ľnchen
Foto: Technische Universit√§t M√ľnchen