Laufen.NRW (KŲln)
Das Łberregionale Online-Magazin im Rheinland
‹ber 6.500 Beitršge zu allen Themen rund um den Laufsport

DRUCK-VERSION 20.12.2008

 

 
 

Sind wir mit Musik leistungsfähiger? Musik beim Sport
 
Laufen-in-Koeln >> Rund um's Laufen >> Tipps und Infos zum Thema Laufen >> Artikel

05.01.2022 

 

Julian Ebert
 
Sind wir mit Musik leistungsfähiger? Musik beim Sport
 
Sportler suchen ständig nach Möglichkeiten, ihre Leistung zu verbessern. Der Wunsch, schneller zu laufen, höher zu springen oder mehr zu heben, lässt sie nach der nächsten Möglichkeit zur Verbesserung suchen. Viele schwören darauf, im Fitnessstudio Musik zu hören, um leistungssteigernde Effekte zu erzielen. Aber hilft Musik tatsächlich oder behindert sie die Performance?
 
Was ist, wenn alles nur Einbildung ist? Songwriter und Experte Julian Ebert geht auf diese und weitere Fragen in unserem heutigen Interview gerne ein. Als Musiker beschäftigt er sich tagtäglich nicht nur mit Melodien, Tönen und Texten, sondern auch mit den Effekten dieser auf unseren Alltag. Daher weiß er aus erster Hand, inwiefern Musik auch unseren Körper beeinflusst.


Ein Interview mit Julian Ebert f√ľr Laufen-in-Koeln:

Hallo Herr Ebert, sch√∂n, dass Sie Zeit daf√ľr gefunden haben, mit uns √ľber dieses interessante Thema zu sprechen. Woher kommt denn eigentlich der Gedanke, dass man mit Musik leistungsf√§higer ist?

Julian Ebert:
"Nun, das sagen Spitzensportler immer wieder. Es gibt einige, die schw√∂ren auf Musik als Begleitung beim Training. Im Endeffekt kennt es aber jeder aus seinem eigenen Alltag: Es gibt fast nichts Schlimmeres, als ins Fitnessstudio zu fahren und vor Ort dann festzustellen, dass man seine Kopfh√∂rer zu Hause vergessen hat (lacht). Kommt Ihnen das bekannt vor? Mir ist das auch schon ein, zwei Male passiert. Gl√ľcklicherweise l√§uft ja in jedem Fitnessstudio entweder Radio oder hauseigene Musik. Ohne scheint es wirklich nicht zu gehen."

Stimmt, es ist fast schon eine Gewohnheit, die Lieblingsmusik mit zum Sport zu nehmen. Sie als Experte können uns sicherlich sagen, was die Wissenschaft zu dem Thema an Erkenntnissen bietet?

Julian Ebert:
"Ja, die Erkenntnisse aus der Forschung st√ľtzen die These der Leistungssteigerung und beleuchten spannende Aspekte. Musik wird in unser Gehirn √ľbertragen, wo es im Belohnungszentrum ankommt und dort wiederum motorische Reize ausl√∂st. Daher kommt auch der Drang, bei einem tollen Song tanzen zu wollen. So f√∂rdern T√∂ne die Bewegung und sorgen au√üerdem daf√ľr, dass Gl√ľcksgef√ľhle ausgesch√ľttet werden, da das Belohnungszentrum involviert ist. Musik bewirkt auch, dass die k√∂rperliche Ersch√∂pfung beim Sport erst sp√§ter einsetzt. Ein Versuch in England hat sogar gezeigt, dass man 15 Prozent mehr Leistung abrufen kann, wenn man auf dem Laufband Musik h√∂rt. Ich finde das absolut interessant und faszinierend."

Es ist also kein Mythos, sondern Fakt, dass man mit Musik leistungsfähiger ist?

Julian Ebert:
"Genau das wollte ich damit sagen. Spitzensportler k√∂nnen sich diesen Effekt gezielt zunutze machen, indem sie beim Training die Begleitung von Musik dazu nehmen. Es gibt viele Songs, die ideal zum Leistungssport passen, weil sie einen dynamischen Beat oder anspornende Liedzeilen oder idealerweise beides haben. W√§re ich von Haus aus Sportler und m√ľsste ich bestimmte Leistungen erbringen bzw. mich daran messen lassen, w√ľrde ich mich lieber f√ľr Musik beim Training entscheiden als f√ľr strenge Di√§ten oder andere unnat√ľrliche Methoden. Musik geh√∂rt schlie√ülich zu uns Menschen wie der nat√ľrliche Schlafrhythmus und unterst√ľtzt biologische Funktionen unseres K√∂rpers."

Das klingt sehr gesund und einleuchtend. Gibt es noch andere Möglichkeiten, wie Musik Sportlern das Leben leichter machen kann?

Julian Ebert:
"Ja, man kann ja auch nicht nur w√§hrend des Trainings, sondern vorbereitend oder anschlie√üend Musik h√∂ren. Insbesondere bei Phasen der Regeneration unterst√ľtzen leise und ruhige T√∂ne die Entschleunigung und das Einsetzen von k√∂rperlicher Entspannung. Musik hilft ja letztendlich auch beim Meditieren und sonstigem Stressabbau. Alles in allem ist sie einfach ein richtig wertvoller Begleiter, dessen positive Auswirkungen kein Sportler ungenutzt an sich vorbeiziehen lassen sollte."

Herr Ebert, wir danken Ihnen f√ľr dieses aufschlussreiche und interessante Gespr√§ch. Wir w√ľnschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und Freude bei Ihrer Arbeit mit und f√ľr Musik!




__________________________________
Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln