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Interview mit 400-Meter-L├Ąuferin Judith Franzen
 
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14.07.2022 

 

 
"Dieses K├Ąmpfen macht mir Spa├č"

 
Judith Franzen, 23 Jahre alt, hatte sich bis 2017 auf den Siebenkampf konzentriert und war danach zum Kurzsprint gewechselt. Seit Ende 2020 hat sie sich den 400 Metern verschrieben und faszinierende Fortschritte gemacht. Der Lohn: Die ├╝berraschende WM-Nominierung f├╝r die Mixed-Staffel und die 4 x 400 Meter der Frauen.
 
Judith, wenn Dir zu Beginn der Saison jemand gesagt h├Ątte, dass Du eine WM-Nominierung bekommst. Was h├Ąttest Du geantwortet?
 
Das w├Ąre der Hammer. Aber das war noch vor einem Monat total unvorstellbar f├╝r mich. Erst bei den Deutschen Meisterschaften wusste ich dann, dass ich das Verm├Âgen habe, abzuliefern.

Die Saison l├Ąuft bombastisch f├╝r Dich, Du rennst von einer Pers├Ânlichen Bestleistung zu n├Ąchsten.
 
Ja, zum Saisoneinstieg habe ich direkt eine PB von 53,30 Sekunden hingelegt. Und jetzt steht da eine 52,27, also nochmal eine Sekunde runter. In der Hallte hatte ich eine 53,61 und letztes Jahr drau├čen eine 53,85. In der Hallensaison habe ich mich also schon deutlich gesteigert, als ich dann zum Beginn der Saison gleich nochmal gut drei Zehntel schneller gerannt bin, war das schon ein Highlight f├╝r mich.

Also hast Du Dich seit der letzten Saison um mehr als 1,3 Sekunden verbessert?
 
Ja, kann man so sagen. Aber im Jahr davor, also von 2020 auf 2021, bin ich auch schon um zwei Sekunden schneller geworden. Die Spr├╝nge sind auch f├╝r mich noch nicht gut zu verarbeiten. Aber ich nehme es einfach mal so hin, freue mich dar├╝ber und werde schauen, wie es sich entwickelt.

Hast Du eine Erkl├Ąrung f├╝r diese Steigerungen?
 
Seit 2020 ist Andrea Gr├Ânebaum meine Trainerin. Wir haben uns zusammengefunden und konnten zusammen wachsen. Der Fokus lag sehr auf mir, wir sind ein ziemlich gutes Team, es ging einfach alles auf. Andrea kann mich lesen wie ein offenes Buch, sie wei├č immer genau, was ich brauche. Letztes Jahr kam noch Jannik Engel als Headcoach f├╝r den Sprintbereich dazu, er bringt die ganze Erfahrung und viel Technikwissen mit, zusammen hat das dann nochmal doppelt so gut funktioniert.
 
Seit wann konzentrierst Du Dich auf die 400 Meter?
 
Als es Anfang 2020 nicht so gut ├╝ber die Kurzdistanzen lief, dachte ich Ende der Saison: Na gut, ich versuche mal einen 400er. Und ja, das lief besser als erwartet. Also bin ich in der n├Ąchsten Saison dabeigeblieben. Und was dabei rum kam, hat man ja 2021 gesehen. Bis 2017 hatte ich noch den Fokus auf dem Siebenkampf, aber das hat dann nicht mehr so gut funktioniert.

Du bist Zahnmedizinische Fachangestellte. Wie bekommst Du Arbeit und Training unter einen Hut?
 
Letztes Jahr im Februar habe ich meine Ausbildung abgeschlossen. Seitdem arbeite ich Teilzeit f├╝r 20 Stunden in der Woche, und schlagartig wurde es auch im Sport besser. Das kommt auch noch dazu, dass diese Leistungssteigerungen m├Âglich waren.

400 Meter sind ja nicht die angenehmste Disziplin. Was gef├Ąllt Dir daran?
 
Ich mag den Start. Deshalb habe ich mich ja auch im Kurz-Sprint versucht. Ich konnte mich aber auch schon immer hinten heraus noch mal gro├č machen, lang machen und dann das Ding f├╝r mich gewinnen. Das hat sich auf den 400 Metern jetzt nochmal gezeigt. Dieses K├Ąmpfen macht mir Spa├č. Und dass es einem nicht so gut geht, ist ja immer nur f├╝r einen kleinen Moment nach einem Rennen. Na klar, man darf auch das Training nicht au├čer Acht lassen, da geht es einem nach den ganzen Tempol├Ąufen auch nicht immer gut. Aber das mache ich ja zum Gl├╝ck nicht allein, da habe ich mit Annkathrin (Hoven, Anm. d. Red.) und Rebecca (Leslie Babilon, Anm. d. Red.) ein super Team, das macht viel aus.
 
Annkathrin Hoven ist letztes Jahr vom Siebenkampf zu den 400 Metern gewechselt und wurde ebenfalls f├╝r die WM nominiert. Habt Ihr schon gemeinsam die Sektkorken knallen lassen?
 
Wir haben uns schon sehr zu freuen. Aber es war noch viel zu tun, nach dem Wettkampf ist auch vor dem Wettkampf. Jetzt gehen wir ja leider unterschiedliche Wege. Ich bin schon im deutschen Pre-Camp in Santa-Barbara, weil ich vielleicht schon zu Beginn der WM in der Mixed-Staffel mitlaufe. Annkathrin ist erst am Ende der WM bei den 4 x 400 Metern der Frauen dran.

Ganz sicher ist Dein Startplatz in der Mixed-Staffel nicht, obwohl Du DM-Zweite bist?
 
Alica Schmidt (DM-Dritte, Anm. d. Red.) ist auch mit hier im Pre-Camp, Corinna Schwab (Deutsche Meisterin, Anm. d. Red.) nat├╝rlich sowieso. Am Ende entscheidet der Bundestrainer, wer von uns antreten darf. Alle trainieren hier super und geben ein gutes Bild ab. Man kann bis zum letzten Tag gespannt sein. Ich werde alles geben, um mitlaufen zu d├╝rfen.

Wie gehst Du diese unverhoffte WM-Teilnahme an? Was hast Du Dir vorgenommen?
 
Erstmal habe ich hier schon so viele Eindr├╝cke gesammelt, die ich mir niemals h├Ątte vorstellen k├Ânnen. Ich werde weiterhin versuchen, mich auf mich zu fokussieren. In Eugene werden wir auf die Athleten der anderen Nationen treffen, da wird dann unter anderem auch eine Allyson Felix (36 Jahre alte US-Amerikanerin, mit 13 Titeln erfolgreichste Teilnehmerin bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften, Olympia-Dritte ├╝ber 400 Meter von 2020) sein, eine der bekanntesten und erfolgreichsten Athletinnen. Das wir f├╝r mich sehr aufregend sein. Trotzdem muss ich mich auf mich und das Team fokussieren. Sonst klappt das nicht. Im Vordergrund steht aber immer noch, dass ich Spa├č habe und so viele tolle Momente wie m├Âglich mitnehme.




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