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Sport und Ernährung haben auch im höheren Alter positive Effekte
 
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28.11.2022 

 

Messung der Handgreifkraft

 
Sport und Ernährung haben auch im höheren Alter positive Effekte

 
Im Alter tr√§gt der fortschreitende Muskelfunktionsverlust im gesamten K√∂rper wesentlich zu einer verringerten Lebensqualit√§t bei. Gleichzeitig steigen das Erkrankungs- und Sterblichkeitsrisiko bei den Betroffenen sowie die finanzielle Belastung des Gesundheitssystems. Doch √§ltere Menschen k√∂nnen diesen Prozessen aktiv entgegenwirken, wie eine neue Studie vom Deutschen Institut f√ľr Ern√§hrungsforschung Potsdam-Rehbr√ľcke (DIfE) zeigt. Die Doktorandin Ulrike Ha√ü und ihr Team haben nachgewiesen, dass Sport und gezielte Ern√§hrungsstrategien auch im h√∂heren Lebensalter noch relevant und effektiv sind.
 
Der Anteil der √§lteren Bev√∂lkerung steigt in Deutschland kontinuierlich an. Laut Statistischem Bundesamt ist etwa jeder F√ľnfte mindestens 65 Jahre alt. Der Anteil der √ľber 80-J√§hrigen liegt bei etwa sieben Prozent. Es ist bekannt, dass die Muskelfunktion mit zunehmendem Alter abnimmt. Ein Faktor, der dazu beitr√§gt, ist das sogenannte Inflammaging*, auf Deutsch Entz√ľndungsaltern. Fr√ľhere Studien haben gezeigt, dass chronisch entz√ľndliche Prozesse den Abbau von Proteinen f√∂rdern und Wachstumsfaktoren hemmen. Zudem gehen sie mit einer verringerten Muskelkraft und Muskelleistung bei √§lteren Erwachsenen einher. Der R√ľckgang der Muskelleistung sorgt wiederum f√ľr eine erh√∂hte Sturzanf√§lligkeit und schlie√ülich f√ľr eine gesteigerte Morbidit√§t und Mortalit√§t.

Acht aktive Wochen
 
Um diesem Prozess entgegenzuwirken, haben Ulrike Ha√ü und ihr Team untersucht, welchen Einfluss eine protein- und omega-3-reiche Ern√§hrung in Kombination mit regelm√§√üiger k√∂rperlicher Aktivit√§t auf die Muskelleistung und das Inflammaging bei √§lteren Erwachsenen hat. Vor diesem Hintergrund f√ľhrten die Wissenschaftler*innen eine 8-w√∂chige, randomisiert-kontrollierte Interventionsstudie mit gesunden 65- bis 85-J√§hrigen aus dem Potsdamer Umland durch. Alle Teilnehmenden erhielten ein aufbauendes Trainingsprogramm, das aus einem angeleiteten Vibrationstraining und selbst√§ndigen Kraft√ľbungen f√ľr zuhause bestand. Dar√ľber hinaus wurden die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip einer von drei Ern√§hrungsinterventionen zugeordnet. Die erste Gruppe erh√∂hte ihre t√§gliche Proteinzufuhr (1,2-1,5 g Protein pro kg K√∂rpergewicht) mithilfe eines Molkenproteinpr√§parates und nahm zus√§tzlich t√§glich ein omega-3-reiches Algen√∂l (2195 mg Omega-3-Fetts√§uren) zu sich. Die zweite Gruppe bekam ebenfalls das Molkenproteinpr√§parat, aber kein Algen√∂l. Die dritte Gruppe diente als Kontrolle und setzte die gewohnte Ern√§hrung ohne zus√§tzliche Pr√§parate fort. Alle Proband*innen f√ľhrten w√§hrend des Interventionszeitraums Ern√§hrungsprotokolle und Trainingstageb√ľcher.
 
Um das Vibrationstraining zu absolvieren, kamen die Teilnehmenden einmal pro Woche ins Studienzentrum. Zus√§tzlich machten sie zuhause drei Mal pro Woche je 45-min√ľtige √úbungen, wie z. B. Kniebeugen, wiederholtes Aufstehen von einem Stuhl und Bauchmuskeltraining. Dabei gab es leichte w√∂chentliche Steigerungen. Zu Beginn und am Ende der Studie wurden die Muskelfunktionalit√§t und Muskelkraft der Teilnehmenden mithilfe verschiedener Tests, wie z. B. dem traditionellen und sehr alltagsnahen Stuhl-Aufsteh-Test, bewertet. Insgesamt schlossen 32 Frauen und 29 M√§nner die Studie ab und wurden in die finale Analyse einbezogen.

Männer profitierten stärker
 
"Wir stellten fest, dass Vibrationstraining und Heimtraining in Kombination mit einer proteinreichen und omega-3-angereicherten Ern√§hrung in unserer Studiengruppe vor allem bei den M√§nnern die Muskelleistung verbesserte und die Inflammationswerte reduzierte", erkl√§rt Ulrike Ha√ü. Insgesamt sorgte eine proteinreiche Ern√§hrung f√ľr eine h√∂here Beinkraft und verbesserte Zeiten beim Stuhl-Aufsteh-Test. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass Sport und Ern√§hrungsstrategien auch im h√∂heren Lebensalter noch relevant, umsetzbar und effektiv sind", sagt Kristina Norman, Leiterin der Abteilung Ern√§hrung und Gerontologie am DIfE und Betreuerin der jungen Wissenschaftlerin Ulrike Ha√ü.
 
In zuk√ľnftigen Studien wollen die Wissenschaftler*innen die molekularen Ver√§nderungen der Skelettmuskulatur eingehender beleuchten. Dar√ľber hinaus wollen sie untersuchen, ob pflanzliche Proteine eine vergleichbare Wirkung erzielen wie das in dieser Studie verwendete Molkenprotein. Langfristig sollen auch √§ltere Menschen mit Typ-2-Diabetes anhand des vorliegenden Studienprotokolls untersucht werden.
 
F√ľr die hier vorgestellte Studie hat Ulrike Ha√ü eine Forschungsf√∂rderung in H√∂he von 15.000 Euro von der Deutschen Gesellschaft f√ľr Ern√§hrungsmedizin (DGEM) erhalten.
 
*Inflammaging: Unter Inflammaging versteht man die altersbedingte Zunahme des chronischen Entz√ľndungszustandes im gesamten Organismus. Dieser Zustand ist durch erh√∂hte Entz√ľndungsmarker im Blut gekennzeichnet und bringt eine hohe Anf√§lligkeit f√ľr chronische Erkrankungen, Behinderung, Gebrechlichkeit und vorzeitigen Tod mit sich. Zu den Faktoren, die zum Inflammaging beitragen, geh√∂ren oxidativer Stress, Ver√§nderungen in der Signal√ľbertragung zwischen Zellen und der Verlust der Teilungsf√§higkeit von Zellen (Seneszenz) mit zunehmendem Alter. Inflammaging ist ein Risikofaktor f√ľr Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Nierenerkrankungen, Typ-2-Diabetes, Krebs, Depressionen und Demenz.
 
Beispiele f√ľr proteinreiche Lebensmittel
-> tierisch: Fettarme Milchprodukte (z. B. Magerquark, Harzer Käse), mageres Rindfleisch, Hähnchenbrust, Forelle, Lachs, Eier
-> pflanzlich: Sojaprodukte (z. B. Tofu), Mais, H√ľlsenfr√ľchte (z. B. Bohnen, Linsen, Kichererbsen), K√ľrbiskerne, Mandeln, Haferflocken
 
Beispiele f√ľr Lebensmittel reich an Omega-3-Fetts√§uren
-> Lachs, Hering/Matjes, Lein√∂l, Raps√∂l, Weizenkeim√∂l, Waln√ľsse, Erdn√ľsse, Chiasamen




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Autor und Copyright: Deutsches Institut f√ľr Ern√§hrungsforschung Potsdam-Rehbr√ľcke
Foto: Carolin Schrandt