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Smartphone-App mit Fitnessarmband entdeckt Herzrhythmusstörungen
 
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28.11.2022 

 

Smartphone-basiertes Screening ermöglichte kontaktlose Studienteilnahme
 
Smartphone-App mit Fitnessarmband entdeckt Herzrhythmusstörungen
bei jedem zwanzigsten älteren Mensch
 
Fitnessarmb√§nder in Verbindung mit speziellen Smartphone-Apps er√∂ffnen einen einfachen Weg, um unbemerkte Herzrhythmusst√∂rungen aufzusp√ľren. In einer Studie erhielten √§ltere Menschen, bei denen bis dahin keine Rhythmusst√∂rung bekannt war, ein Armband, mit dem sie ihren Herzrhythmus √ľberpr√ľften. Dabei wurden Rhythmusst√∂rungen im Herzvorhof bei f√ľnf Prozent der Teilnehmenden gefunden. Die Studie wurde vom Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) durchgef√ľhrt.
 
Vorhofflimmern ist die h√§ufigste Herzrhythmusst√∂rung und eine zunehmende Volkskrankheit. Etliche Millionen Menschen in Europa leiden daran. Betroffen sind √ľberwiegend √Ąltere. Bei vielen verursacht die Rhythmusst√∂rung zun√§chst keine Beschwerden und bleibt daher oft lange unerkannt und unbehandelt. Das kann gef√§hrlich sein, denn √§ltere Menschen mit Rhythmusst√∂rungen im Herzvorhof haben ein erh√∂htes Risiko f√ľr Schlaganf√§lle und andere schwere Komplikationen - m√∂glicherweise auch dann, wenn die Rhythmusst√∂rung nur zeitweise vorliegt und von den Betroffenen selber gar nicht wahrgenommen wird.
 
Wird die Rhythmusst√∂rung rechtzeitig erkannt, kann eine Behandlung, beispielsweise durch blutgerinnungshemmende Medikamente, Schlaganf√§lle verhindern. Experten raten deshalb dazu, im Rahmen eines Screenings in der √§lteren Bev√∂lkerung gezielt nach Rhythmusst√∂rungen zu suchen. Moderne Fitnessarmb√§nder, sogenannte Wearables, in Verbindung mit Smartphone-Apps er√∂ffnen daf√ľr einen neuen unkomplizierten Weg.
 
Die Smart in OAC - AFNET 9 Studie (Smartphone and wearable detected atrial arrhythmia in Older Adults Case finding study) wurde in Deutschland, Polen und Spanien w√§hrend der Covid-19 Pandemie im Jahr 2021 durchgef√ľhrt. 882 √§ltere Menschen zwischen 65 und 90 Jahren erhielten ein kontinuierliches Screening auf Vorhofrhythmusst√∂rungen. Bedingung war, dass die Teilnehmer:innen bisher kein bekanntes Vorhofflimmern hatten und keine gerinnungshemmenden Medikamente einnahmen.
 
Die wissenschaftliche Leiterin der Studie, Prof. Larissa Fabritz, Universit√§tsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) und Universit√§t Birmingham, Gro√übritannien, erl√§utert den Hintergrund der Studie: ?Wir brauchen einfache Methoden zur Erkennung von Vorhofrhythmusst√∂rungen bei Risikogruppen, um Vorhofflimmern rechtzeitig entdecken und eine Behandlung einleiten zu k√∂nnen. Daher haben wir die Smart in OAC - AFNET 9 Studie durchgef√ľhrt, in der wir die Brauchbarkeit eines vollst√§ndig digitalen Nachweissystems f√ľr Vorhofrhythmusst√∂rungen bei √§lteren Menschen √ľberpr√ľft haben.?
 
Senior:innen wurden auf unterschiedlichen Wegen zur Teilnahme eingeladen. Die Mehrheit der Teilnehmer:innen wurden durch Aufrufe in Zeitungen oder im Fernsehen erreicht oder auf Informationsveranstaltungen angesprochen. Die restlichen Proband:innen wurden durch Brosch√ľren, √ľber Haus√§rzte, auf einer Website, in Krankenhausambulanzen oder Apotheken auf die Studie aufmerksam gemacht.
 
Wer sich zur Studienteilnahme entschied, erhielt ein Armband mit einem Sensor, der in Verbindung mit einer App auf dem Smartphone den Puls messen konnte. Damit wurde eine kontinuierliche √úberwachung des Herzrhythmus f√ľr acht Wochen erm√∂glicht, die angesichts der Covid 19-Pandemie vollst√§ndig kontaktlos von zu Hause durchgef√ľhrt werden konnte.
 
Vorhofrhythmusst√∂rungen wurden bei 44 Personen (f√ľnf Prozent der Teilnehmer:innen) innerhalb von vier Wochen gefunden. Dabei wurden in der allerersten Woche deutlich mehr Rhythmusst√∂rungen nachgewiesen als in den folgenden Wochen. Nur bei wenigen Personen traten Rhythmusst√∂rungen nach mehr als vier Wochen erstmalig auf.
 
Prof. Fabritz fasst die Ergebnisse zusammen: ?Smart in OAC - AFNET 9 hat ein Smartphone- und Wearable-basiertes Nachweissystem f√ľr Rhythmusst√∂rungen bei √§lteren Menschen in verschiedenen europ√§ischen L√§ndern erfolgreich angewandt. Angebote zur technischen Unterst√ľtzung aus der Ferne wurden von den Teilnehmenden gerne angenommen, und die Bereitschaft zur Teilnahme war hoch. Das zeigt die Durchf√ľhrbarkeit f√ľr diese Altersgruppe. Unser Screening hat Vorhofrhythmusst√∂rungen bei f√ľnf Prozent der √§lteren Erwachsenen entdeckt. Die Nachweisrate war in der ersten Woche hoch und nahm danach ab. Das legt nahe, dass relativ kurze Beobachtungszeitr√§ume ausreichen, um √§ltere Menschen mit Vorhofrhythmusst√∂rungen zu finden. Diese Ergebnisse ermutigen dazu, ein vollst√§ndig digitales, auf Alltagselektronik basierendes System f√ľr ein Screening auf Vorhofrhythmusst√∂rungen bei √§lteren Menschen zu nutzen.?
 
Smart in OAC - AFNET 9 ist eine wissenschafts-initiierte Studie. Sie wurde vom Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) ins Leben gerufen und durchgef√ľhrt. Finanzielle Unterst√ľtzung wurde von Daiichi-Sankyo, Sachleistungen von Preventicus zur Verf√ľgung gestellt.
 
Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET)
 
Das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) ist ein interdisziplin√§res Forschungsnetz, in dem Wissenschaftler:innen und √Ąrzt:innen aus Kliniken und Praxen deutschlandweit zusammenarbeiten. Ziel des Netzwerks ist es, die Behandlung und Versorgung von Patient:innen mit Vorhofflimmern in Deutschland, Europa und den USA durch koordinierte Forschung zu verbessern. Dazu f√ľhrt das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. wissenschaftsinitiierte klinische Studien (investigator initiated trials = IIT) und Register auf nationaler und internationaler Ebene durch. Der Verein ist aus dem vom Bundesministerium f√ľr Bildung und Forschung (BMBF) gef√∂rderten Kompetenznetz Vorhofflimmern hervorgegangen. Seit Januar 2015 werden einzelne Projekte und Infrastrukturen des AFNET vom Deutschen Zentrum f√ľr Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) gef√∂rdert.
 
 
    www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de




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Autor und Copyright: Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET)
Foto: AFNET