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Detlev Ackermann

 
   
 
 

Körperliche Belastung, wichtiger Faktor für die Gesundheit
 
 
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09.04.2002  

 
 

Der menschliche Körper besitzt ein großes Potential für funktionelle und strukturelle Anpassungen an intensive körperliche Belastung.
 
Die Menschen waren während der Evolution Tausende von Jahren lang Nomaden und Jäger. In unserer modernen wissenschaftlich-technischen Zivilisation erfolgte eine drastische Reduzierung des Anteils an körperlicher Aktivität im täglichen Leben infolge stetig fortschreitender Automatisation und Motorisierung.
 
Eine Folge dieser Reduzierung der körperlichen Belastung ist ein erniedrigtes Niveau körperlicher Fitness bei den Völkern der industrialisierten Welt mit einer gleichzeitigen Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Ursache von Tod und Behinderung. Die Veränderung hin zu einem überwiegend sitzenden Lebensstil kann sich aber nicht nur für den einzelnen schädlich auswirken, sondern auch der Gesellschaft teuer zu stehen kommen. In den bisherigen Studien konnte zwar kein direkter Bezug zwischen dem Bewegungsmangel und der Rate der kardiovaskulären Erkrankungen bzw. der Sterblichkeit im Sinne von Ursache und Wirkung nachgewiesen werden. Epidemiologische Untersuchungen weisen jedoch eindrucksvoll auf den positiven, präventiven Effekt von körperlicher Belastung hinsichtlich der Reduzierung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Sterblichkeit hin, vor allem, wenn die körperliche Aktivität in den beruflichen Alltag und die Freizeit integriert wird. Darüber hinaus können durch ein regelmäßiges körperliches Training andere Risikofaktoren positiv beeinflusst werden. Es kommt zu einer Absenkung der Blutfettwerte, gleiches gilt für den Blutdruck und das Körpergewicht wird leichter unter Kontrolle gebracht. Weiterhin ergeben sich positive Effekte hinsichtlich der Kontrolle des Diabetes mellitus und der Erhaltung der Knochendichte bei älteren Menschen.
 
Obwohl sich die physische Gesundheit, gemessen an der Rate der Morbidität und Mortalität, in der ganzen Welt ständig gebessert hat, zeigen epidemiologische und experimentelle Studien doch deutlich, dass zum gesunden Lebensstil auch ein Programm regelmäßiger körperlicher Aktivität gehört. Regelmäßiges Training mit aerobem Charakter unter Einsatz großer Muskelgruppen führt zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit derjenigen physiologischen Systeme, die durch die jeweilige Belastung beansprucht werden und damit zu einer verbesserten Leistungsfähigkeit für die jeweiligen körperlichen Übungen. Ein Zustand, der üblicherweise als physische Fitness bezeichnet wird. Eine Person, die körperlich fit ist, kann die vielfältigen physischen Beanspruchungen des täglichen Lebens besser bewältigen.
 
Physische Fitness und gute Gesundheit sind keine synonymen Begriffe, sondern ergänzen sich gegenseitig. Während „gute Gesundheit" nur „Abwesenheit von Krankheit" bedeutet, beinhaltet „physische Fitness" auch die Vitalität, die Voraussetzung ist, um die vielfältigen Belohnungen, die das Leben für uns bereithält, auch genießen zu können und körperlich unabhängig von anderen zu sein.
 
Die Sportmedizin betrachtet es als eine ihrer Aufgaben von höchster Wichtigkeit, den krankmachenden Effekten der sitzenden Lebensweise, aber auch den physiologischen Leistungseinbußen im Verlaufe des Alterns vorzubeugen oder sie auszugleichen. Deshalb stellt die individuell zugeschnittene körperliche Aktivität eine wertvolle Komponente in den therapeutischen Konzepten zur Kontrolle und Behandlung vielfältiger Krankheiten dar wie koronare Herzkrankheit, systemische Hypertonie, Fettleibigkeit, Erkrankungen des Bewegungsapparates, Erkrankungen der Atemwege und auch Depression. Physische Fitness kann auch zur Verbesserung psychischer Komponenten wie Wohlbefinden und Selbstachtung beitragen.
 
Der Weltverband für Sportmedizin empfiehlt deshalb jeder Person ein regelmäßiges Training mit aerobem Charakter, bestehend aus 3-4 Einheiten pro Woche von je 30-60 min Dauer. Die aeroben Übungen können aus solchen Aktivitäten wie schnelles Gehen (Wandern), Laufen, Schwimmen, Radfahren, Rudern, Inline oder Schlittschuhlaufen oder Skilanglaufen bestehen. Rückschlag- und Mannschaftssportarten können auch betrieben werden, wenn die Intensität der Belastung der Leistungsfähigkeit angepasst wird. Die Intensität sollte normalerweise so gewählt werden, dass die Herzfrequenz zwischen 50 und 70 Prozent des individuellen Maximums liegt. Die Wahl der Sportart ist individuell von solchen Faktoren wie Interesse, Sportmöglichkeiten in der Umgebung, Alter und Kondition abhängig. Eine Screening-Untersuchung durch einen Arzt wird angeraten, für ältere Personen (z.B. über 35 Jahre) und für solche mit bekannten Risikofaktoren sollte sie Pflicht sein.
 
Regelmäßige körperliche Betätigung kann zur Verbesserung der Gesundheit beitragen und dem einzelnen ein produktiveres und unbeschwerteres Leben ermöglichen.
 




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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
Quelle: Deutsche Zeitung für Sportmedizin

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