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Detlev Ackermann

 
   
 
 

Der eigentliche Lauf
 
 
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17.11.2002  

 
 

Früh begann der Tag. Lange bevor der Muizin die Gläubigen zum ersten Gebet rief, klingelte bereits das Telefon. Der Hotelweckdienst holte die noch müden Teilnehmer aus ihren Betten. Das Frühstück war für 4:30 angesetzt. Mit verschlafenen Augen versammelten sich die Athleten zum gemeinsamen Frühstücks-Buffet an. Viel Zeit war nicht, denn schon eine habe Stunde Später sollte sich der Transport zum Start in Bewegung setzen. Doch die enge Terminvorgabe erwies sich als nicht einhaltbar. Denn erst mussten die rund 105 Teilnehmer auf die weit über 30 Fahrzeuge verteilt werden. Weiterhin bekam noch jeder Teilnehmer ausreichend Bananen und jede Menge Wasser in die Hand gedrückt. Eine Aktion, die sich schließlich über eine Stunde hinzog.
Als letztlich auch der letzte Teilnehmer in einem Fahrzeug untergebracht war, ging es endlich los. Auf den holprigen Straßen bewegte sich die nicht enden wollende Autokarawane Richtung Start. 100km weiter entfernt, südlich von Kairo.
 
   

Mit über einer Stunde Verspätung sollte schließlich nun auch der Lauf starten. Gasser Riad gab den Startschuss. Vorne Weg liefen die Ägypter. Ein vorsichtiges Abtasten auf den ersten Kilometer unter den Teilnehmern. Gerade als Einzelläufer durfte man sich da durch die Staffelläufer nicht mitreißen lassen und sich in Geduld üben. Christian Hottas versuchte seiner Lebensgefährtin Barbara Szlachetka zu folgen. Aber die zog ihr Lauftempo gleich auf einen 5er Schnitt an. Ein Tempo, das Christin später zum Verhängnis wurde.

Der erste Abschnitt führte durch die Wüste. Links und rechts nur Sand und Geröll. Ab und zu entdeckt man in der Ferne herrenlose Wüstenhunde umherschwirren. Die einzige Abwechslung, die die ersten 30km zu bieten haben. Bis zum Horizont führt die Straße und da ist noch lange kein Ende. Nach einiger Zeit taucht auf der linken Seite der Strecke ein Zug auf. Der Wüstenexpress von Ägypten. Auf den ersten Blick nichts besonderes, abgesehen von den Reisenden. Entgegen aller deutschen Sicherheitsvorschriften stehen diese während der Fahr an der offenen Tür. Doch das war allerdings noch harmlos, im Vergleich was einem in den Dörfern noch begegnen sollte.
Alle 10km passiert man die Wechselpunkte der Staffeln. Diese stehen mit ihren Fahrzeugen am Straßenrand und warten auf ihre Läufer. Als Einzelläufer schaut man schon mal neidisch auf die im Schatten sitzenden Sportskollegen. Aber an pausieren ist da nicht zu denken, denn die Staffelteams feuern natürlich nicht nur ihre eigenen Leute an, sondern auch die Einzelstarter.
 
   

Über die Wüste weht ein leichter Wind. Angesichts der ansteigenden Temperaturen ganz angenehm, aber auf Dauer sehr ermüdend. Auch hier gilt es mit den Kräften haushalten und das Tempo ggf. drosseln. Schließlich muss man nicht 42,195km sondern 100km gegen den Wind laufen. Aber auch das sollte irgendwann ein Ende haben, spätestens dann, wenn man durch die schützenden Grünabschnitte läuft.
Für die Versorgung war bestens gesorgt. Im Schritt-Tempo trottet das Versorgungsfahrzeug den Einzelstartern hinterher. Somit ist jeder Zeit der Griff zur durstlöschenden Wasserflasche gewährleistet. Ein Luxus den man nicht unterschätzen darf. Die Luft ist warm und trocken. Schnell werden die Lippen und der Mund trocken.
Ab km 29 erscheint die erste Attraktion am Horizont. Die Meidum Pyramide. Jetzt konnte es nicht mehr weit sein, bis die ersten Grünflächen auftauchen.
 
   

Bei km 32 durchläuft man erstmalig ein Dorf, von denen noch viele weitere folgen sollten. Gerade diese Abschnitte sind immer wieder ein besonderes Erlebnis. Auf einmal befindet man sich mitten im Alltagsleben der Ägypter wieder. Frauen sitzen am Kanal, waschen Kochtöpfe und Kleidung. Die Bauern bestellen ihre Felder. Die Kinder helfen ihren Eltern, entweder auf dem Feld oder am Fluss. Händler ziehen mit ihren Eseln umher und verkaufen ihre Ernteerträge. Als moderner Europäer fühlt man sich richtig in eine längst vergangene Zeit zurückgesetzt. Lediglich vorbeifahrende Autos deuten auf ein modernes Zeitalter hin. Aber immer wieder beobachtet man Aktivitäten, die einen Sicherheitsbewusten die Haare zu Berge stehen lassen. Z.B. gibt es in Ägypten auch Busse für den Nahverkehr, aber gerade in den Dörfern nimmt man da eher auf der Ladefläche eines Lastkraftfahrzeuges Platz. Bis zu 20 Personen stehend auf der Ladefläche, ungesichert und frohen Mutes. Gut gelaunt scheinen sie allemal zu sein und somit stimmt auch schon mal die ganze Gruppe ein Lied an. Abenteuerlich wird es jedoch wieder, als ein junger Mann während der Fahrt auf einmal anfing, auf das Dach eines Busses zu klettern. In Deutschland würde man so etwas S-Bahn Surfen nennen. Aber so sind sie, die Ägypter. Einfach aber robust. Ein Experte meinte mal hierzu, "Die Ägypter werden uns alle überleben".
Die Reaktion der Dorfbewohner auf die Läufer ist recht unterschiedlich. In einem Dorf wird man als Held gefeiert und angefeuert, wobei man in anderen Dörfern eher als Eindringling gesehen wird. Zwar freut man sich über den Besuch, aber dass man ohne Geschenke weiterläuft, stößt dann doch auf Unverständnis. Gerade die Kinder und Jugendlichen fühlen sich durch die Läufer angezogen. Sichtlich haben sie ihren Spaß daran und versuch ein paar Meter mitzulaufen. Allerdings kommt es auch schon mal vor, dass man plötzlich das halbe Dorf hinter sich her rennen hat. In diesem Fall darf man dann aber auf die Vernunft der Älteren hoffen, die dem Treiben dann Einhalt gebieten.
 
   
 
   

Die scheinbar endlose Straße führt geradeaus Richtung Ziel. Vorbei an Palmenfeldern und Grünanlagen. Lediglich die Elleshet Pyramiden in der Ferne erinnern daran, dass man sich lediglich auf einem fruchtbaren Kanalabschnitt mitten in der Wüste befindet. Dies wird insbesondere bei km 83 deutlich. Von der Hauptstraße abbiegend geht es über ein Wendestück zur Dahshur Pyramide. Nach nur wenigen hundert Metern befindet man sich mitten in der Wüste wieder. Endlose Sandfelder bis zum Horizont kennzeichnen das Land.
 


 

 
 
Die Wüste macht es einem nicht einfach. Die Hitze und die ungewohnte Umgebung fordern alles von einem. Zwar kommt es unter den Läufern immer wieder mal zu Überholmanövern, aber irgendwie sieht man sich dann doch wieder. Selbst der erfahrene Christin Hottas musste einsehen, dass er im ersten Abschnitt zu schnell gelaufen ist. Bei km 60 traf man sich wieder. Mittlerweile ist auch Bela Krausz herangerückt. Begleitend von Detlev Ackermann versuchen die 3 jeweils für sich innerhalb der Gruppe eine vordere Position zu halten. Nach einiger Zeit sieht man aber ein, nur gemeinsam kommt man wirklich effektiv weiter. Nach einer längeren Powerwalking-Pause und jeder Menge Isostar gelingt es dem Kölner Läufer Ackermann schließlich dann doch noch, sich bei ca. km 80 von den beiden Verfolgern abzusetzen.
Mittlerweile ist es auch dunkel geworden und die Temperaturen sind auf ein erträglichen Maß zurückgegangen. Bei km 96.7 die Erlösung, die Straßeneinfahrt nach links führt zum Zieleinlauf vor der  Sakkara Pyramide.

Im Ziel empfängt Gert Engel die übermüdeten Pharaonenläufer. Kaum über die Ziellinie geschritten und das Zieltor durchlaufen, bekommt man eine Medaille überreicht, die in Deutschland seines Gleichen suchen dürfte. Die überaus attraktive Erinnerung wird lediglich noch von der weiterhin überreichten Urkunde Übertroffen. Auch das dürfte wohl einzigartig sein. Ein überaus mit leuchtenden Farben verzierte Urkunde auf echtem Papyrus.



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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln


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