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Wie Ralf S. schneller, beweglicher und ein besserer Liebhaber wurde
 
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26.05.2002 

 

Als L√§uferin, Gesundheitsfreak und Leiterin einer Laufgruppe kann auch ich mich nicht davon freisprechen, immer mal wieder Probleme mit dem Bewegungsapparat, √úberlastungserscheinungen oder auch mal eine ganz normale Krankheit wie eine Erk√§ltung oder eine Darmgrippe zu haben. Aber hier die Story von Ralf (35), der seine 10-km-Zeit nach einer Krankheit um fast vier Minuten verbessert hat. Wir L√§ufer sind ja ein seltsames Volk und suchen eigentlich nie nach Gr√ľnden, nicht trainieren, sondern h√∂ren immer viel lieber, dass zumindest regeneratives Training oder Ausgleichstraining wie Radfahren oder Schwimmen bei unserer gerade aktuellen Krankheit noch zu bewerkstelligen sei. So war das bei Ralf, der nicht nur eine leichte akute Grippe hatte, sondern auch schon seit l√§ngerer Zeit leise anmerkte, dass sein Knie oft nach dem Training schmerze und auch seine H√ľfte bei l√§ngeren L√§ufen Probleme mache. Dennoch trainierte er so lange t√§glich mit seiner Erk√§ltung, bis sein Arzt ihm das Training verbot, da er ein Antibiotikum einnehmen musste. Und Ralf litt! Dabei verga√ü er einfach, das Leben mal faul zu genie√üen und vor allem auch dass es viele positive Aspekte bei einer Trainingspause gibt, zum Beispiel:
1. Dass man zwar in Trainingspausen oft sehr schnell zunimmt. Allerdings verliert man das auch wieder genauso schnell.
2. Dass nach einer längeren Pause oft alle anderen alten Wehwehchen gut abheilen. Nicht selten ist man nach einer krankheitsbedingten Trainingspause viel fitter als zuvor!
Dies traf auch auf Ralf zu. Nachdem er drei Wochen nicht trainieren durfte, schwebte er f√∂rmlich bei seinen ersten kurzen L√§ufen dahin und lief beim n√§chsten 10-km-Volkslauf fast drei Minuten schneller als zuvor. Sein Knie und auch seine H√ľfte murrten nicht.
Er war nun so im Gl√ľckstaumel, dass er gleich am Tag nach dem Wettkampf wieder beim Tempotraining unseres Lauftreffs auf der Matte stand. Er k√§mpfte wieder wie in alten Zeiten, und schon war seine neu erworbene Lockerheit dahin. In den n√§chsten Tagen und Wochen machten nicht nur die alten Wehwehchen wieder auf sich aufmerksam, es k√ľndigte sich sogar erneut ein Schnupfen an.
Besser w√§re es wohl gewesen, Ralf w√§re am Tag nach dem Wettkampf einfach mal in die Sauna gegangen oder h√§tte nur Denksport betrieben. Beides ganz hervorragend kombinieren kann man einfach mit Schwimmen, Bowlen, tanzen gehen, usw. Aber bei Ralf war fortan wieder sein alter Trott Herr der Lage, und dementsprechend blieb er bei den beiden n√§chsten Volksl√§ufen wieder weit √ľber der neu erworbenen Bestzeit.
Ich beobachtete auch, dass Ralf, so flei√üig er auch im Training war, nie ausgiebig dehnte oder seine Muskulatur mit einfachen √úbungen unterst√ľtzte, vielleicht hielt ihn genau das von einer richtig guten Form ab: Er besch√§ftigte sich zwar sehr viel mit gesunder Ern√§hrung, doch die anderen sehr wichtigen Aspekte der Gesundheit wie Stretching, R√ľckenschule oder Knieaufbautraining sah er als "Weiberkram" an. Als ich seine Freundin einmal darauf ansprach, verriet sie mir ein Geheimnis unter Frauen, was sicherlich auch auf viele Sportler zutrifft: Ralf ist total steif und unbeweglich! Er schafft es kaum, sich die Schuhe zuzubinden, ohne ein Bein auf einen Stuhl zu stellen. Und sie verriet mir auch, dass er bei der - au√üer Laufen und Essen - sch√∂nsten Sache der Welt sehr unbeweglich und steif sei (und das ist beim Sex nur bei einem einzigen kleinen m√§nnlichen K√∂rperteil erw√ľnscht!).
Bei unserem lustigen Gespr√§ch √ľber ihren Lebenspartner beschloss Anke, Ralf davon zu √ľberzeugen, nicht immer nur ans Laufen zu denken. Laufen ist unbestritten ein toller Sport. Aber man kann sich auch mal anders bewegen und sollte - allein um im Geist nicht einzurosten - auch mal ab und an einfach etwas anderes auszuprobieren.
Anke erz√§hlte mir noch von einem bereits fehlgeschlagenen versuch, ihn f√ľr ihren Fittnessclub zu gewinnen: Drau√üen regnete es in Str√∂men, und daher hat sich Ralf kurzerhand zu einer Probestunde mit in ihr Studio genommen. Nat√ľrlich waren mal wieder alle Laufb√§nder mit walkenden Frauen belegt, die sich auch nicht durch Ralfs professionellen Auftritt (Sprinterh√∂schen und T-Shirt mit Volkslauf-Aufdruck) beeindrucken lie√üen. Aber Iron-Ralf wartete tats√§chlich √ľber 30 Minuten sitzend vor den Laufb√§ndern, obwohl alle anderen Ausdauerger√§te (Ruderger√§t, Radergometer, Stairmaster usw.) frei waren. Auch machte er sonst nichts Aktives wie z.B. Lockern, Streching oder Training mit Gewichten oder Ger√§ten.
Als er endlich "drankam", lief er wohl √ľber eine Stunde mit hochrotem Kopf auf dem Laufband. Anschlie√üend hat er nur kurz seine Waden gedehnt und ist mit stolz geschwellter Brust unter die Dusche abgezogen. Nachdem Anke Ralf wenig sp√§ter dann doch √ľberzeugen konnte, dass man im Fittness-Studio mehr machen kann, als das Laufband zu vergewaltigen, und er sogar einige Kurse belegte, macht ihm das Laufen nun wieder richtig Spa√ü und ist kein t√§glicher Kraftakt. Diese Kombination tut nicht nur seinen Knien gut, die er inzwischen muskelm√§√üig, "aufgepeppt" hat, auch sonst hat er seine Lebensqualit√§t um einige Prozentpunkte erh√∂ht; er ist nicht mehr d√ľnn wie ein Bleistift sondern hat sogar einige definierte Muskeln am Oberk√∂rper bekommen. Diese Muskeln haben ihn √ľbrigens auch nicht davon abgehalten, seine Bestzeit noch einmal um einige Sekunden zu verbessern, und, was vielleicht noch wichtiger ist: Auch in der Beziehung von Ralf und Anke l√§uft es zurzeit bestens!




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Autor: Copyright Maria-Cecile Meuser
Foto: Maria-Cecile Meuser