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Die Ultra Triathletin Astrid Benöhr
 
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02.08.2003 

 

Sie mischt seit Jahren in einer der härtesten Sportarten an der Spitze mit und wirkt dabei so gelassen und entspannt, dass wir wissen wollen, wie sie das schafft. Gut gelaunt beantwortet sie uns unsere Fragen:

Die Liste Ihrer sportlichen Erfolge ist ganz unglaublich: Sie laufen seit Jahren allen davon, Männern wie Frauen, und stellen damit „ganz nebenbei" auch noch Weltrekorde auf. Wie machen Sie das?
 
Die Länge der Strecken zwingt mich, meine Kräfte richtig einzuteilen. Ich darf also nie über das Limit hinausgehen - praktisch habe ich also immer noch eine Reserve. Dadurch sieht es von außen vielleicht so leicht aus. Entscheidend aber auch: Wenn ich meine Erwartungen nicht unnötig hoch schraube, können Körper und Geist gut harmonieren.

Wie bereiten Sie sich auf diese extremen Wettkämpfe vor?
 
An die Wettkampfstrapazen habe ich mich im Laufe der Jahre so sehr gewöhnt, dass sie mich nicht mehr schrecken können. Viel lästiger finde ich die häufig langen Anreisen. Da kann es schon mal passieren, dass ich im letzten Moment ins Grübeln gerate.

Untersuchungen haben ergeben, dass Sie an keiner der typischen Sportlererkrankungen leiden?
 
Triathlon ist eine extrem körperharmonische Sportart, bei der die Belastungen gleichmäßig verteilt werden. Im Training regenerieren sich die spezifischen Muskeln gegenseitig. Von entscheidender Bedeutung dürfte auch sein, dass ich immer genügend Gelatine zu mir genommen habe, als Zusatz von Joghurt und anderen Milchprodukten oder auch als Pulver. Früher war es nur eine Vermutung, heute weiß ich, wie sehr ich durch diese Gelatine-Substitution meine Gelenke, Knorpel, Bänder, Sehnen und wahrscheinlich auch meine Knochen stabilisiert habe.

Thema Ernährung: Wie bereitet man sich auf eine zehnfache Ironmandistanz vor, was nimmt man während des Wettkampfes zu sich?
 
Eigentlich ernähre ich mich normal, wobei ich darauf achte, die Kohlenhydrat-Anteile überwiegen zu lassen. Obst und Gemüse sind wichtig, reichen für mich aber nicht aus, um den Bedarf an Vitaminen und Mineralien zu decken. Daher nehme ich taxofit-Präparate, um die Belastbarkeit zu steigern. Während des Wettkampfs muss die Energiebilanz stimmen, das heißt, ich muss das zuführen, was ich verbrauche - und zwar als schnell verfügbare Energie.

Ultra Triathlon ist nach Ihren Worten eine Reise durch sich selbst; was verstehen Sie darunter?
 
Abschalten und sich auf sich selbst konzentrieren. Ich kann geistig und körperlich neue Wege erkunden, mich weiterentwickeln und immer wieder neue Fragen stellen.
 

 

Astrid Benöhr- Kurzporträt

 
Gebohren: 8.10.1957
Größe: 166cm
Gewicht: 50kg
Ausbildung: Biologischtechnische Assistenten
1979: beginnt mit dem Laufen, um sich das Rauchen abzugewöhnen.
- Absoluter Weltrekord im 10-fachen und 5-fachen Ironman (unter dem Männer Weltrekord)
- hält die Weltrekorde über 2-, 3-, 4- und 5-fachen Ironman Distanzen
- hält den deutschen Rekord im 12-h Bahnlauf (128km)
Weitere Infos: www.astridbenoehr.com

Haben Sie einen Tipp für Menschen, denen es schwer fällt, sich zu sportlicher Betätigung zu motivieren?
 
 

Ich möchte Vorbild für andere - vor allem Frauen - sein, sich sportlich zu betätigen. Nicht auf

Wettkampfniveau, sondern einfach bewegen. Sich besser fühlen. Tipps gibt es viele. Freundin oder Freund fragen, ob sie Lust haben, mitzumachen. Und dann einfach anfangen, in kleinen Einheiten, z.B. so laufen, dass sie sich noch unterhalten können. Drei Minuten laufen, zwei Minuten gehen. Erfolg und Spaß machen fit für mehr.

Welche Ziele haben Sie für die Zukunft?
 
Mein Leitspruch ist „Mit Ausdauersport 40 Jahre 20 bleiben". Demnach muss ich ja wohl noch mindestens 17 Jahre durchhalten. Aber im Ernst: Wann ich diesen Sport nicht mehr auf höchstem Niveau betreiben kann, wird die Zeit erweisen. Und auch dann werde ich noch mit Spaß bei der Sache sein.
 





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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln