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Auf das Stichwort Leverkusen fällt
den Meisten in der Regel zuerst das Chemiewerk Bayer-Leverkusen mit seinem
Fabrikgelände ein. Dass die Industrielandschaft aber auch ein zweites Gesicht
hat, demonstriert seit Jahren recht eindrucksvoll der in Ortschaften und Wald
eingebettete EVL-Halbmarathon Leverkusen. Eine 21,1km Sightseeingtour auf der
man bei genauem Hinschauen in Sachen Kunst, Natur, Tierwelt und historischen
Bauten noch eine Menge dazulernen kann.
Laufen-in-Koeln hat sich auf
Entdeckungsreise gemacht und stellt im folgenden die größten Highlights mit
reichlich Hintergrundinformationen vor, die
direkt schon am Start beginnen:

km 0 - 2,7
Sankt Remigius
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Sankt Remigius
auf der rechten Seiten, versteckt hinter hohen Bäumen. |
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Direkt am Start finden wir eine
geschichtskräftige Kirche vor. Sie wurde erstmals
in einer Urkunde des Stifts St. Gereon (Köln) von 1223 erwähnt und war damals
gerade mal 11x7m groß. Dafür besaß sie aber einen wuchtigen, romanischen
Kirchturm. Nach einem langem Streit mit dem Stift St. Gereon wurde 1787 mit dem
Bau eines größeren Kirchenschiffs begonnen, der 1788 abgeschlossen wurde. 1862
wurde die alte Kirche abgerissen und mit dem Neubau begonnen. Nach knapp zwei
Jahren Bauzeit konnte die Kirche fertig gestellt werden. Dem Zeitgeist
entsprechend wurde der Bau im neugotischen Stil errichtet.
Am 28. Dezember 1944
wurde die Kirche allerdings durch einen Bombentreffer bis auf die Außenmauern
und den Kirchturm völlig zerstört. Von 1945 bis 1952 wurde die Kirche unter
starkem Einsatz der Gemeindemitglieder unter Leitung des Architekten Bernhard
Rotterdam wieder aufgebaut und Pfingsten 1952 konsekriert. Heute handelt es sich
bei St. Remigius um eine neugotische Backsteinsaalkirche mit polygonaler Apsis
und 3geschossigen Westturm, Turmaufsatz als 8seitige Werksteinpyramide,
Balluster. Sie steht unter Denkmalschutz.
Einführungsrunde durch Opladen, vorbei an schönen Villen
Km
2,7 - 5
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Meterhohe
Kunstgerüste ...
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aus Altmetall
am Waldeingang |
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Herrliche
Natur |
Walderlebnispfad
Der bundesweit modellhafte Pfad
führt um das Gelände des Gutes Ophoven herum. Auf dem Pfad begegnen einem
verschiedene Hinweisschilder mit Symbolen wie "Augen auf", "Schnupper mal",
"Spitz die Ohren", "Fühl mal", "Achtung", und "Wußtest Du, dass ...?", die zu
verschiedenen Interaktionen einladen sollen, um die Natur besser kennen zu lernen.
Naturgut Ophoven
Das Naturgut Ophoven zeigt,
dass intakte Natur inmitten einer Großstadt möglich ist. Das naturnah gestaltete
Gelände gehört zu einem ehemaligen Gutshof mit denkmalgeschützten Gebäuden und
ist etwa 60.000 qm groß. Es ist das älteste nichtkirchliche Gebäude Leverkusens.
Die Namensendung hoven deutet auf die Zeit der fränkischen Landname im 6./7.
Jahrhundert hin. Von der ursprünglichen Wasser-Burganlage ist nur noch ein Teil
erhalten. Das Drei-Raum-Haus mit seinen historischen Kreuzstockfenstern weist
noch viele Details, wie Kamin und Backofen, aus dem 15. Jahrhundert auf. Vom
Gutshof geht es auf das Gelände des NaturGutes, einen natürlichen Erlebnispark
für jung und alt. Heckenlabyrinth, Aromaweg, kleiner und großer Teich,
Amphitheater, Insektenwohnhaus und Spielelandschaft erwarten den Spaziergänger.
km 5 - 6,2
Kleiner Streifzug durch
Quettingen
Quettingen liegt auf einer
Erhebung und stellt den höchsten Punkt entlang der Strecke dar. Kurz vor der
Ortsanfang muss im Wald ein kurzer, knackiger Anstieg bewältigt werden. Sobald
die Hauptstraße überquert wurde, geht es durch Quettingen und hinaus dafür aber wieder angenehm abwärts.
km 6,2 - 8,8
Streifzug durch den Wald
zwischen Quettingen bis Altenrath
Auf diesem Stück geht die Strecke
nochmals durch herrliches Waldgebiet. Natur Pur, bei der man am Streckenrand
sogar einen großen Ameisenhügel entdecken kann.
km
8,8 - 9,5
Die Gezelinkapelle
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Gezelinkapelle mit
seiner ... |
... Quelle
an der Rückseite. |
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Hier befindet sich die 1864 nach
Baufälligkeit neu errichtete Gezelinkapelle, unter deren Altar eine Quelle
entspringt. Der Sage nach soll Gezelin mit den ersten Zisterziensermönchen aus
der burgundischen Abtei Morimond 1135 nach Altenberg gekommen sein. 14 Jahre hat
er später hier im Wald als Einsiedler zugebracht. In einem trockenen Sommer, als
das Vieh auf den Weiden verendete und die Menschen vom Durst geplagt waren, soll
Gezelin eine sprudelnde Quelle mit seinem Hirtenstab aus der Erde geschlagen
haben. Das Wunder sprach sich wie ein Lauffeuer herum, und es entstand sogleich
eine Wallfahrt mit einem Jahrmarkt, der noch bis 1851 bestand. Die Kapelle wurde
im 15. Jh. erstmals errichtet. Auf der Rückseite der Kapelle sprudelt das
Quellwasser frei zugänglich aus einer Leitung heraus. Wem es durstet, sollte
jedoch lieber auf eine der offiziellen Verpflegungsstellen zurückgreifen, denn
es handelt sich nicht unbedingt um Trinkwasser.
Schloss Morsbroich
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Ansicht aus
Läufersicht ... etwas unspektakulär. |
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Ein wenig versteckt im
Grünen, passend für einen ehemaligen adligen Landsitz und ein Jagdschlösschen,
liegt Schloss Morsbroich in Leverkusen-Alkenrath, nur gut einen Kilometer vom
Zentrum entfernt. In seiner heutigen Barockgestalt wurde das Schloss in der
zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet und im 19. Jahrhundert erweitert.
Schloss Morsbroich beherbergt
heute das Städtische Museum für Zeitgenössische Kunst. Es umfasst mehr als 300
Werke der Malerei und Plastik sowie etwa 2.300 Arbeiten auf Papier.
Anstelle des heutigen Bauwerkes
erhob sich ursprünglich eine spätmittelalterliche Burganlage. Schriftliche
Erwähnung findet erstmals 1328 ein Johannes gen. Moir von dem Broiche. Die Burg
dient als Sitz der bergischen Grafen und deren Lehensleuten. Über die
Jahrhunderte wechselt die Burg unzählige Male ihre Eigentümer. 1619 kommt sie in
den Besitz des Deutschen Ordens. 1775 wird die gantz ruinöse Burganlage
abgerissen und als "Maison de plaisance" im Rokokostil neu errichtet. Um diese
Zeit wird auch ein englischer Garten angelegt. 1806 verliert der Deutsche Orden
das Barockschloß an Napoleon I, der die geistliche Institution säkularisiert.
Bald darauf kommt es zur Übernahme des Rheinlands durch Preußen, und Schloß
Morsbroich fällt 1817 einem Kölner Bankier zu. 1857 erwirbt der Kommerzienrat
Friedrich Diergardt den gesamten Besitz.
1948 mietete die Stadt das
stark beschädigte Bauwerk. Zuerst einmal war an die Errichtung eines Alters-
oder Kinderheimes im Schloss gedacht. Schließlich entschloß man sich aber zu
einem Museum. 1974 beschloß der Rat den Kauf des Besitzes. Nach der
Grundsanierung wurde das Museum 1985 eröffnet.
Km
9,5 - 13,5
Auf diesem Streckenabschnitt geht
es vorwiegend über Gehwege an der Dhünn entlang, vorbei an zahlreichen
Sportanlagen.
Bay Arena und seine Geschichte
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Die Bay Arena
aus Läufersicht ... |
... und am
Stadion vorbei ... |
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Die BayArena (ehemals
Ulrich Haberland Stadion), zählt zu den schönsten Stadien Europas und wird auf
Grund ihrer besonderen Ausstattung auch als "Schmuckkästchen" der Liga
bezeichnet. Der Grundstein, bzw. der Baubeginn für den Fußballplatz "Am
Stadtpark" wurde 1923 auf dem Gelände des heutigen Lise-Meitner-Gymnasiums
gelegt. Am 4. September 1923 wurde der "Bayer-Platz" offiziell eingeweiht. 1941
bekam der Sportplatz eine Holztribüne und hatte Platz für 15.000 Zuschauer. Der
Spatenstich für das Stadion an der Bismarckstr. erfolgte am 23. April 1956. Am
2. August 1958 wurde das Ulrich-Haberland-Stadion mit einem Fassungsvermögen von
22.500 Zuschauern eingeweiht. 1963 bekam das Stadion anläßlich des 100jährigen
Bestehens der Bayer AG eine Flutlichtanlage. 1979 wurde nach dem Aufstieg in die
erste Bundesliga eine provesorische Zusatztribüne auf der Ostseite errichtet.
1968 erfolgte der Neubau der Westtribüne. 1990 wird der Stadionaus-, bzw.
-neubau bis auf eine Lücke an der Dhünn abgeschlossen. 1996 begann der Bau der
Südtribüne.
km 13,5 - 17
Entlang der naturnah gestalteten Dhünn
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Eine eingebettete, kleine Insel in der Dhünn. |
Idyllisch
schlängelt sich der Fluss durch die Landschaft. Schafe weiden am Ufer. |
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Von Juli bis Oktober 2003
hat der Wupperverband einen 3 Kilometer langen Abschnitt der Dhünn von
Leverkusen-Wiesdorf bis zur Mündung in die Wupper entsprechend dem
Plangenehmigungsbescheid der Unteren Wasserbehörde naturnah gestaltet. Der
Anlass für die Umgestaltung war die Landesgartenschau Leverkusen 2005.
Durch die naturnahe Umgestaltung hat die Dhünn innerhalb der Deiche wieder mehr
Bewegungsfreiheit erhalten, soweit es aufgrund von Versorgungsleitungen,
Verkehrsstraßen etc. möglich war. Der Wupperverband hat Betoneinfassungen,
Wasserbausteine und Schwellen entfernt. Die Dhünn ist in diesem Abschnitt nun
durchgängig und frei von künstlichen Einbauten. Der zuvor geradlinige Flusslauf
wurde durch Windungen verlängert und aufgelockert. Kiesbänke, Seitenarme und
Gehölzinseln sind entstanden. Bäume und Büsche am Ufer der Dhünn wurden bei der
naturnahen Umgestaltung weitgehend erhalten. Dort, wo die Bauarbeiten eine
Entfernung von Gehölzen erforderlich machten, wurden die Flächen bewusst einer
eigenständigen Entwicklung und selbstständigen Ansiedlung von neuen Pflanzen und
Gehölzen überlassen. Die Natur hat an der unteren Dhünn die Möglichkeit
erhalten, das ehemals kanalartig ausgebaute Gewässer zurück zu erobern. Die Zahl
der in diesem Gewässerabschnitt heimischen Fische und Kleintiere hat sich
bereits positiv entwickelt, da der Lebensraum deutlich verbessert und vergrößert
wurde. Der Erholungsraum mitten im städtischen Umfeld Leverkusen wurde somit
aufgewertet.
km
17 - 19
Reuschenberger Mühle
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Reuschenberger Mühle |
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Die Reuschenberger Mühle
ist ein Industriedenkmal von überregionalem Rang in Leverkusen-Bürrig.
1477 wurde der Neubau einer Mühle am heutigen Standort durch die Familie von
Eller, welche auf dem benachbarten Rittersitz Reuschenberg ansässig ist,
errichtet. Vom Rittersitz Reuschenberg ist heute nur eine landwirtschaftlich
genutzte Vorburg erhalten. Die Familie von Eller nutzte die Mühle als
Mehl-/Schrot-/Öl- und Lohmühle - einige Reste sind bis heute erhalten.
1847 wurde das heutige
Mühlengebäudes als sogenannte "Kunstmühle" auf dem damals höchsten Stand der
Technik, mit Turbinenantrieb gebaut. Dazu wurde ein bereits 1839/40 aufwendiges,
bis heute in Betrieb befindliches Graben- und Kanalsystem mit Wehren errichtet,
um in dem flachen Gelände ein Gefälle von 5 m zu erreichen.
Als letzte Wasserkraftanlage
vor der Mündung der Wupper in den Rhein werden in der Reuschenberger Mühle
jährlich 1,6 Millionen Kilowattstunden Strom aus Wasserkraft erzeugt.
Das Hauptgebäude der
Reuschenberger Mühle besteht aus Backstein mit klarer, spätklassizistischer
Gliederung und Rundbogenfenstern. Im Innern werden die Decken von aufwendigen
gußeisernen Säulen getragen. Es besteht eine von außen nicht sichtbare
Verbindung des Industriegebäudes mit dem repräsentativem Wohnhaus auf dem
gleichen Gelände. In den folgenden Jahren wurde die Reuschenberger Mühle durch
einige Nebengebäude zu einem ländlichen Industriekomplex erweitert, vor allem
während der Nutzung als Papiermühle in den Jahren 1881-1932.
Mitte der 90er Jahre des
letzten Jahrhunderts wurde die Mühle aufwendig als Büro- und Loftkomplex
restauriert.
Rittersitzes Reuschenberg
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Rittersitzes
Reuschenberg |
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An dieser Stelle stand bis
1968 das Haupthaus des Rittersitzes Reuschenberg. In einem Zinsregister des
Wiesdorfer Fronhofes aus der zweiten Hälfte des 13. Jh. wird erstmals eine "vrouwe
van Ruischenburg" erwähnt. Die Besitzer von Reuschenberg sind seit Anfang des
15. Jh. namentlich bekannt. 1676 wurde ein neues Herrenhaus errichtet, das 1885
einem Brand zum Opfer fiel. 1886 erfolgte der Neubau zum Schloss. Reuschenberg
wurde ein beliebter Ausflugsort für die Region. Vor dem Gebäude ist ein
Gedenkstein errichtet, der an den Reuschberg (Burg + Rittersitz + Schloss von
1300 bis 1968) erinnern soll.
Wildpark Reuschenberg
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Der Eintritt ist für alle
Besucher kostenlos und ganzjährig geöffnet und sollte nach dem Lauf ins
persönliche Besuchsprogramm mit aufgenommen werden, bevor es nach Hause geht.
Hier bemüht man sich vom Aussterben bedrohte europäische Tiere zu züchten. Auf
5,5 Hektar sind 82 Arten zu finden, die von 20.000 Gästen pro Jahr besucht
werden. Eröffnet wurde der Wildpark 1975, 1982 ging der Betrieb des Parkes auf
die Stadt Leverkusen über. Der städtische Wildpark hat auch einen Förderverein,
den man während des Besuches ruhig mit einer kleinen Spende unterstützen sollte.
Die Strecke führt übrigens ein ganzes Stück am Areal entlang, so dass man das
eine oder andere Tier beim Vorbeilaufen erhaschen kann.
km 19
- 19,5
Sportplatz Birkenberg
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Die Strecke
führt mitten über das Gelände des Sportplatzes. |
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Hier wird es richtig sportlich, denn
der Platz auf dem Birkenberg wird überquert. Der Opladener Sportplatz
Birkenberg existiert seit 1903 und ist abgesehen von der Kurt-Rieß-Anlage die
größte Sportanlage Leverkusens und befindet sich sich noch bis heute in
städtischer Hand. Von 1878 bis 1926 befand sich hier übrigens auf Teilen des
Geländes noch die Rheinische Dynamitfabrik. Der Bau wurde durch Hermann
Nörrenberg betrieben und mit einer Spende von Max Römer ermöglicht. 2001 hat
sich ein Fördervein (Mitglied u.a. der ehemalige Regierungspräsident Jürgen
Roters) gegrüdet, um die Anlage instandzusetzen und zu attraktivieren. Heute
wird die Anlage von den Fußballvereinen FC Opladen 2003, BV und Fortuna Opladen
Alte Herren, FC Rheindorf 2005 und der Leichtathletik-Abteilung des TuS 1882
Opladen genutzt.
km
19,5 - 21,1
Bergab ins Ziel gelaufen ...
Unmittelbar nach dem Sportplatz
muss nur noch eine Autobahn überquert werden und dann geht es den Birkenberg
hinab nach Opladen hinein ins Ziel.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln Quellen: Stadt Leverkusen
Fotos: Laufen-in-Koeln
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