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Und am Ende waren sie alle
Sieger
Was für ein Jubiläum - der Ford
Köln-Marathon feiert seine zehnte Auflage. Ein Volksfest für die ganze
Familie. Während die Kinder bereits am Samstag schon erste Wettkampferfahrungen
sammeln konnten und die Walker den Rhein eroberten, gingen am Sonntag nun auch
die Halbmarathonis, Inliner, Handbiker und Marathonläufer auf die Strecke. Das Wetter war,
auch wenn es für die Marathonteilnehmer zum Mittag hin wärmer wurde, geradezu ideal. Die
Sonne strahlte vom Himmel herab und lud die Zuschauer am Streckenrand zum
Mitfeiern ein. Weit über 700.000 sollen es gewesen sein. Auch wenn die Zahl
vielleicht ein wenig hoch gegriffen ist, von der Stimmung her kam es sicherlich
aufs Gleiche heraus. Und darauf kann man sich in Köln mehr als verlassen. In den
Hochburgen, sowie an den Ringen war die reinste Partystimmung. Den Läuferinnen
und Läufern wurde zugejubelt, als wären sie der Karnevalsprinz, der am Kamelle
werfen war. Einige Partylokalitäten schienen sich fast gegenseitig mittels
Moderation übertrumpfen zu wollen.
Aber auch die Helfer waren
aller bestens drauf. Mit bester Stimmung und Hingabe übten sie ihren Job aus.
Für lahmende Jogger fanden sie immer ein aufbauendes Wort. An den
Verpflegungsständen streckten herumwirbelnde Helfer den vorbeilaufenden Läufern
Getränke entgegen, damit diese nicht viel Zeit verlieren. Für die etwas
langsameren Teilnehmer gab es die Wunderwaffe Banane, um den kleinen Hunger zu
bekämpfen.
Wie beim Halbmarathon
konzentrierte sich zumindest im Vorfeld die Spannung weitgehend auf das Frauenfeld. Wer würde wohl
das Rennen gewinnen - Luminitia Zaituc oder der neue Chinakracher Sun Weiwei?
Mit am Start war auch Ulrike Maisch, wobei Insider allerdings schon am Samstag
wussten, dass sie verletzungsbedingt sicherlich nicht bis ins Ziel laufen wird. Auch prominente Läuferinnen
liefen mit. Neben Sonja Oberem gab sich auch Tegla Loroupe die Ehre
mitzulaufen. Dies aber ohne gewertet zu werden.
Richtig schnelle Deutsche
konnte der Veranstalter nicht vorweisen, was aber sicherlich auch an den
Deutschen Marathonmeisterschaften gelegen haben mag, die am gleichen Tag
stattfanden. Hier ging es aber auch viel mehr um den Versuch, einen neuen
Streckenrekord aufzustellen, der aus Hand der Äthiopier und Kenianer kommen
sollte. Hierfür verpflichtete man den erfahrenen und zuverlässigen Marathonmann
Carsten Eich ein. Einen Pacemaker engagierte übrigens auch der bekannte Musiker
Joey Kelly. Er lies sich von Thomas Eickmann des LAZ Puma Troisdorf/Siegburg
unter 3:30 Stunden ziehen.
Doch bevor es endlich losging,
musste erst einmal gewartet werden. Anfangs sah es wie ein Fehlstart aus und
führte sogar beim WDR zu Irritationen, die das Rennen aufzeichneten. Einige aus
der Spitze liefen Punkt 12 Uhr los, dabei war noch gar kein Startschuss
gefallen. Schuld für den verspäteten Start waren jedoch die Inliner, die sich
noch auf der Strecke befanden. Um ein Zusammentreffen mit ihnen vorzubeugen,
wurde aus Sicherheit der Start kurzerhand um einige Minuten verschoben.
Aber dann ging es endlich los,
im Blockstart. Weit über 10.400 Marathonis machten sich auf die 42,195km lange
Strecke um Köln und die Herzen der Zuschauer zu erobern, Bestzeit zu laufen,
oder laufend einfach nur abzufeiern.
Eine besondere Ehre wurde den
so genannten Jubiläumsläufern, die bisher an allen Marathons teilgenommen
hatten, zu teil. Sie starteten aus einem eigenen Startblock heraus, direkt
hinter den Eliteläufern und vor allen anderen Teilnehmern.
Bei den Männern bildete sich
eine Führungsgruppe, bestehend aus Afrikanern, die allesamt die ersten 10km
innerhalb 30:52 Minuten absolvierten. Pech hatten sie allerdings im weiteren
Verlauf mit zwei kenianischen Pacemakern. Eigentlich sollten sie das Feld bis
Kilometer 25 führen, steigen aber bereits nach 15 Kilometern aus. Carsten Eich,
der den späteren Sieger begleitete, hatte da die bessere Ausdauer. Er führte
seinen Schützling wie verabredet mit einer Zeit von 1:05:03 bis zur
Halbmarathonmarke. Wohl dem, der einen Pacemaker hat und die Zwischenzeiten
selber kontrollierte, denn die Digitaluhren an der Strecke waren keine wirkliche
Hilfe. Sie liefen fast 4 Minuten voraus und zeigten Weltrekordzeiten an. Doch
davon lies sich Teferi Wodajo nicht beirren und versuchte sich immer wieder von
der Gruppe abzusetzen, was ihm allerdings erst zum Schluss wirklich gelang. Nach
2:11:24 Stunden lief er als Sieger ins Ziel ein. Benjamin Itok und Francis
Kipropp folgten ihm mit 2:12:14 Stunden und 2:13:05 als Zweiter und Dritter.
Nach der Frage des schnellsten
Deutschen wurde auch gleich die Frage nach dem Kölner Stadtmeister beantwortet.
Salvatore de Dio oder Carsten von Kuk. Machte sich de Dio vor kurzem noch
Hoffnung, mit einer Zeit von 2:19 unter die schnellsten 10 Finisher ins Ziel
einzulaufen, brach er im Rennen allerdings auf der zweiten Hälfte ein und musste
sich nach 02:37:24 Stunden mit einem 17. Platz der Männer zufrieden geben.
Carsten von Kuk konnte das Tempo jedoch beibehalten und errang nach 2:31:08
Stunden als schnellster Deutscher und Kölner den 7. Gesamtplatz der Männer.
Bei den Frauen konnte Luminitia Zaituc
ihre persönlich gesteckten Ziele rundum erfüllen. Unter 2:30 Stunden und
gewinnen. Einfach wurde es ihr allerdings nicht gemacht. Auch wenn sie von
Anfang an die Spitze übernahm, zeigte sich die Chinesin Sun Weiwei recht
hartnäckig. Mit einer in diesem Jahr gelaufenen Zeit von 2:26 Stunden setzte sie
zum Start ein deutliches Zeichen. Eine Zeit, die sie in Köln vielleicht hätte
auch laufen können. Doch in dem Gerempel um sie herum, stürzte sie zwei Mal.
Eigentlich wollte sie schon aufgeben, doch ihr Pacemaker Nicolas Sinanan trat
ihr ordentlich in den Hintern: "Du hast nicht die weite Reise von Peking nach
Köln gemacht, um hier einfach abzubrechen. Ich reiße mir hier für Dich den Arsch
auf, lauf gefälligst weiter". Das hat wohl auch gesessen und Weiwei versuchte
immer wieder an Zaituc heranzukommen. Erst auf den letzten vier Kilometern hatte
Zaituc dann endlich freie Bahn und konnte so gelassen dem Ziel entgegenlaufen.
Nach
2:28:30 Stunden stand sie als Siegerin des 10. Ford Köln-Marathon fest. Sun
Weiwei folgte ihr nur 75 Sekunden später mit 2:29:45 Stunden auf den zweiten
Platz.
Eine halbe Stunde später
sicherte sich Jeannine Hagedord mit einer Zeit von 2:59:21 nicht nur den 6.
Platz bei den Frauen, sondern auch als schnellste Kölnerin den
Stadtmeister-Titel.
Insgesamt erreichten gut
10.427 Läuferinnen und Läufer das Ziel. Die einen überglücklich, bei den anderen
dauerte es aufgrund der Erschöpfung sicherlich ein wenig länger, bis das
Lächeln wieder zurück kam. Eine gut sortierte Nachzielverpflegung mit allerlei
Getränken und Esswaren verhalf zu einer schnellen Stärkung.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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