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BMW Berlin-Marathon: 40.963 Teilnehmer - Gebrselassie und Radcliffe am Start
 
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24.09.2011 

 

Haile Gebrselassie und Paula Radcliffe mit Race Director Mark Milde

 
38. BMW BERLIN-MARATHON MIT 40.963 TEILNEHMERN: Zwei Top-Duelle am Sonntag: Gebrselassie - Makau, Radcliffe - Mikitenko

Mit 40.963 Athleten aus 125 Nationen wird um 9 Uhr auf der Straße des 17. Juni der 38. BMW BERLIN-MARATHON gestartet. Rund eine Million Zuschauer werden an der Strecke der größten deutschen Eintages-Sportveranstaltung erwartet. Sie sehen zwei der hochklassigsten Duelle, die der internationale Marathonlauf zurzeit zu bieten hat. Beteiligt sind beide Weltrekordler über die klassischen 42,195 km: Haile Gebrselassie und Paula Radcliffe. Es ist erst das dritte Mal in der Geschichte des Marathonlaufs, dass beide Rekordhalter in einem Rennen sind. Der Äthiopier Gebrselassie trifft auf den kenianischen Titelverteidiger Patrick Makau und die Britin Radcliffe muss sich mit Deutschlands Rekordhalterin Irina Mikitenko (SC Gelnhausen) auseinandersetzen.
 
Der BWM BERLIN-MARATHON wird live übertragen auf n-tv (8.30-12.30 Uhr) und Eurosport (8.45-11.30 Uhr). Er wird in über 160 Ländern live zu sehen sein.
 
Bei den Männern streben Haile Gebrselassie und Patrick Makau sehr schnelle Zeiten an, da sie sich in Berlin für die Olympischen Spiele in London qualifizieren möchten. Selbst Ergebnisse im Bereich des Weltrekordes, den Haile Gebrselassie 2008 in Berlin mit 2:03:59 Stunden aufgestellt hat, scheinen bei guten Wetterbedingungen möglich.
 
Bei den Frauen ist das Feld so gut besetzt wie nie zuvor. Ergebnisse im Bereich von 2:20 Stunden scheinen möglich. Der Streckenrekord der Japanerin Mizuki Noguchi steht seit 2005 bei 2:19:12 Stunden.

Die Favoriten und die besten deutschen Läufer im Kurzporträt:

Haile Gebrselassie
Äthiopien, 38 Jahre
Bestzeit: 2:03:59 (Weltrekord)
 
Der Superstar des internationalen Laufsports, wohl der beste Langstreckler aller Zeiten. Viermal war er über 10.000 m Weltmeister und zweimal Olympiasieger, 20 offizielle plus sieben inoffizielle Weltrekorde stellte er in seiner einmaligen Karriere auf. "Für mich ist Laufen wie die tägliche Ernährung. Man könnte sagen, es gibt Frühstück, Laufen, Mittag, Laufen und Abendbrot", sagt Haile Gebrselassie, der von Februar 1997 bis August 2001 beeindruckende 51 Rennen hintereinander gewann - von 1.500 bis 10.000 m auf der Bahn, im Cross, in der Halle und auf der Straße. Viermal gewann er später den BMW BERLIN-MARATHON und stellte dabei zwei Weltrekorde auf. Seine Berliner Siegzeit aus dem Jahr 2008 (2:03:59 Stunden) ist nach wie vor der offizielle Marathon-Weltrekord.
 
 
Patrick Makau
Kenia, 26 Jahre
Bestzeit: 2:04:48
 
Patrick Makau gehört zu jenen kenianischen Marathonläufern, die das Potenzial haben, den Marathon-Weltrekord des Äthiopiers Haile Gebrselassie (2:03.59 Stunden in Berlin 2008) zu brechen. Das bewies der Kenianer im vergangenen Jahr zweimal: Anfang April 2010 wurde er in Rotterdam mit einer Zeit von 2:04:48 Stunden zum damals viertschnellsten Läufer aller Zeiten über die klassische Distanz. Wäre der Wind nicht gewesen, hätte Patrick Makau den Weltrekord vielleicht schon geknackt. Im September kam er nach Berlin und hatte wieder Pech mit dem Wetter: Der erste Regenmarathon seit über 20 Jahren in Berlin stoppte die Weltrekordjagd. "Ich denke, der Regen hat mich rund eineinhalb Minuten gekostet", erklärte Patrick Makau, nachdem er das Rennen in 2:05:08 gewonnen hatte. Nie zuvor war ein Marathonläufer bei derartigem Regen so schnell gelaufen. Beim London-Marathon im April stürzte er, kam aber trotzdem noch als Dritter in hochklassigen 2:05:45 ins Ziel.
 
 
Falk Cierpinski
SG Spergau, 33 Jahre
Bestzeit: 2:13:30
 
Das große Ziel von Falk Cierpinski ist die Marathon-Olympiaqualifikation für London 2012. Um im nächsten Jahr erstmals bei Olympia dabei zu sein, muss er seine Marathon-Bestleistung von 2:13:30 um genau 90 Sekunden verbessern. Bei 2:12:00 steht die deutsche Olympianorm. Gesundheitliche Probleme und Verletzungen stoppten die Entwicklung von Falk Cierpinski in den vergangenen Jahren. Deswegen ist seine Bestzeit immer noch jenes Resultat, das er vor drei Jahren in Berlin erreicht hatte. Vom Triathlon gekommen, war das Marathontraining eine deutliche Umstellung für Falk Cierpinski. Nach und nach führte ihn sein Vater und Trainer Waldemar Cierpinski (zweifacher Marathon-Olympiasieger 1976 und '80) an höhere Belastungen heran. Im April startete Falk Cierpinski beim Vattenfall BERLINER HALBMARATHON, doch er litt einmal mehr unter starkem Seitenstechen, was ihn zur Aufgabe zwang. Jetzt nimmt Falk Cierpinski, der parallel zu seinem Sport ein BWL-Teilzeitstudium an der Fern-Uni in Hagen absolviert und zur Sportfördergruppe der Bundeswehr gehört, beim BMW BERLIN-MARATHON einen neuen Anlauf. IN St. Moritz hat er sich auf seinen Start vorbereitet.
 
 
Paula Radcliffe
Großbritannien, 37 Jahre
Bestzeit: 2:15:25 (Weltrekord)
 
Paula Radcliffe läuft ihr Marathon-Comeback am Sonntag beim BMW BERLIN-MARATHON. Die 37-jährige Britin, die fraglos zu den besten Langstreckenläuferinnen aller Zeiten gehört, wurde vor einem Jahr zum zweiten Mal Mutter. Ihr letztes Rennen über die 42,195 km rannte Paula Radcliffe, die mit dem früheren nordirischen Mittelstreckenläufer Gary Lough verheiratet ist, im November 2009 in New York. Nach Verletzungsproblemen musste sie sich damals mit Platz vier zufrieden geben. Die Marathon-Weltrekordlerin (2:15:25 Stunden in London 2003) hat je dreimal den London- und den New York-Marathon gewonnen, außerdem triumphierte sie 2002 in Chicago. 2005 wurde Paula Radcliffe Marathon-Weltmeisterin, mehrmals gewann sie sowohl im Cross- als auch im Halbmarathon WM-Gold. An Starts in Deutschland hat Paula Radcliffe, die bereits bei der WM 1993 in Stuttgart im 3.000-m-Finale stand und Rang sieben belegte, gute Erinnerungen. Ihr letztes Rennen auf deutschem Boden ist allerdings bereits neun Jahre her. Damals wurde sie in München 2002 Europameisterin über 10.000 m und zeigte eines der besten Rennen ihrer Karriere. Im strömenden Regen lief sie in 30:01,09 Minuten zum damaligen Europarekord. Bei den großen Meisterschaften über die Bahn-Langstrecken lief es ansonsten oft unglücklich für Paula Radcliffe, die mehrmals Medaillen bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften knapp verpasste. Bei der WM 1999 wurde sie aber immerhin Zweite im 10.000-m-Finale. Im Marathon hatte sie bei ihren beiden Olympiastarts ebenfalls Pech. 2004 gab sie in extremer Hitze in Athen auf, vier Jahre später war sie in Peking verletzungsbedingt nicht in Form und kam auf Rang 23 ins Ziel. Von den fünf schnellsten je gelaufenen Zeiten kommen vier von Paula Radcliffe. Keine andere lief so oft unter 2:20 Stunden wie die Engländerin, die Deutsch und Französisch studierte. London 2012 wird die letzte Chance für Paula Radcliffe sein, noch eine olympische Medaille zu gewinnen.


Irina Mikitenko
SC Gelnhausen, 39 Jahre
Bestzeit: 2:19:19
 
Irina Mikitenko (SC Gelnhausen) kommt zum BMW BERLIN-MARATHON zurück. 2007 lief sie hier ein glänzendes Marathondebüt und erreichte als Zweite auf Anhieb hochklassige 2:24:51 Stunden. Ein Jahr später blieb sie als erste und bisher einzige deutsche Läuferin unter 2:20 Stunden. Mit 2:19:19 Stunden gewann sie das Rennen und stellte den heute noch gültigen deutschen Rekord auf. Zweimal gewann die inzwischen 39-jährige Läuferin, die mit ihrem Mann und Trainer Alexander zwei Kinder hat, den hochklassigsten City-Marathon der Welt in London (2008 und 2009), zweimal entschied sie zudem die prestigeträchtige World Marathon Majors (WMM)-Serie für sich: 2007-2008 und 2008-2009. Sie war die erste nicht-afrikanische Läuferin, der ein WMM-Triumph gelang. Bevor sie zum Marathon wechselte, gehörte Irina Mikitenko über die Bahn-Langstrecken zur Weltklasse. Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney kam sie auf Rang fünf, vier Jahre später in Athen belegte sie Platz sieben. Die mehrfache deutsche Langstrecken-Rekordlerin hat bei Weltmeisterschaften zudem die Plätze vier (1999) und fünf (2001) über 5.000 m belegt. Nachdem sie 2010 verletzungsbedingt beim London-Marathon hatte aufgeben müssen, war sie auch im Herbst des vergangenen Jahres noch nicht wieder in Topform. In Chicago erreichte Irina Mikitenko Platz fünf mit 2:26:40. In diesem Jahr gab es wieder einen deutlichen Aufwärtstrend: Beim extrem stark besetzten London-Marathon im April wurde sie Siebente mit 2:24:24. Mit zwei mehrwöchigen Trainingslagern in St. Moritz hat sich Irina Mikitenko, die bereits für den Marathon bei den Olympischen Spielen 2012 in London qualifiziert ist, für den BMW BERLIN-MARATHON in Form gebracht.


Florence Kiplagat
Kenia, 24 Jahre
Bestzeit: beim Debüt 2011 in Boston aufgegeben
 
Florence Jebet Kiplagat wird versuchen, in Berlin ihren ersten Marathon durchzulaufen. Im vergangenen April lag sie auf der Hälfte der Strecke in Boston bei 1:11:42 Stunden und erreichte 30 km nach 1:42:59, stieg dann jedoch vorzeitig aus. 2010 war sie mit einer Zeit von 1:07:40 die fünftschnellste Halbmarathon-Läuferin der Welt, als sie in Lille im September gewann. Im darauf folgenden Monat gewann Kiplagat die Goldmedaille bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften in Nanning (China) in 1:08:24. An einem heißen Tag in Sapporo, Japan, im vergangenen Juli (29 Grad C) sicherte sie sich einen weiteren Sieg in 1:10:29. Bei den Cross-Weltmeisterschaften 2009 gewann Kiplagat ebenfalls die Goldmedaille. 2006 lief sie bei den Junioren-Weltmeisterschaften über 5.000 m zur Silbermedaille. Ihre Bestzeiten auf der Bahn stehen bei 14:40,14 über 5.000 m sowie bei 30:11,53 über 10.000 m (Kenianischer Rekord). Ihr letzter Start in Berlin verlief nicht so erfolgreich, da sie sich bei der Weltmeisterschaft 2009 über die 10.000 m eine Verletzung am hinteren Oberschenkel zuzog - so blieb ihr nur der zwölfte Platz. Ihr Ehemann ist der kenianische Langstrecken-Star Moses Mosop, der beim Boston-Marathon 2011 in 2:03:06 Zweiter wurde und der danach Weltrekorde auf der Bahn über 25.000 m und 30.000 m aufstellte. 2008 lief Kiplagat wegen der Geburt ihrer Tochter Aisha im März nicht.
 
 
    www.berlin-marathon.com




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Autor und Copyright: Thomas Steffens für Laufen-in-Koeln
Foto: Vic Sailer/SCC EVENTS